Ersatz-Sportunterricht für Grundschüler auf einem Schulhof in Köln [Quelle: sportschau.de]

31.000.000.000 Euro sollen Schätzungen des Deutschen Olympischen Sportbundes zufolge notwendig sein, um die dringende Sanierung maroder Sportstätten in Deutschland zu ermöglichen. Gut 230.000 Sportstätten insgesamt zählt der DOSB. Darunter besonders betroffen: die gut 35.000 Sporthallen und ca. 7.500 Schwimmbäder.

Darunter leidet besonders der Schulsport, und ganz besonders die Kinder in den Grundschulen. Die Tendenz in den letzten Jahren ist eindeutig: in immer mehr Schulen kann Schulsport nur noch draußen durchgeführt werden oder fällt gar weg. Dies geschiehr parallel zum Niedergang vieler kleiner Sportvereine, wo besonders für den Breitensport keine Nachwuchskräfte mehr gefunden werden, die Training geben können. Viele Kinder lernen dadurch wichtige motorische Fähigkeiten nicht mehr und sind körperlich auf einem mangelhaften Niveau; die Zahl übergewichtiger Kinder wächst.

Die Sportschau berichtet von einem extremen Fall im Wedding in Berlin, wo an der von Schimmel befallenen Anna-Lindh-Grundschule seit 2017 kein richtiger Sportunterricht mehr erteilt werden kann. Die Kinder werden für den Unterricht mit Bussen in vier Kilometer entfernte Büroräume gefahren; für Sport gibt es hier keine Möglichkeit. Auf die Zeugnisse der Kinder wird als Bemerkung zum Sportunterricht „nicht erteilt“ geschrieben. Eigentlich sind in der Regel ohnehin drei Stunden Sport im allgemeinen Lehrplan der Bundesländer vorgesehen, doch die dritte Stunde als Einzelstunde ist organisatorisch zu kompliziert – besonders aufgrund der langen Wege zur Sportstätte – und wird von den meisten Schulen nicht im Stundenplan berücksichtigt.

Der große Lehrermangel führt dazu, dass viele Quereinsteiger den Sportunterricht übernehmen – wer kein ausgebildeter Sportlehrer ist, darf mit den Kindern aber einen Großteil an Übungen, z.B. im gymnastischen Bereich, nicht durchführen. Hierbei, wie allgemein auch in Personalfragen, sind natürlich die Arbeiterviertel, in denen die Schulen meist im schlechtesten Zustand und am engsten besetzt sind, in erster Linie betroffen.

Bis ins Jahr 2027 sind 876 Millionen Euro über ein spezielles Bundesprogramm für die Sanierung kommunaler Einrichtungen wie Sportstätten vorgesehen. Das reicht natürlich vorne und hinten nicht. Die letzte Merkel-Regierung hatte einst 10 Milliarden Soforthilfen für die Sportstätten angekündigt. Mit Corona konnte diese Sache erfolgreich wieder vergessen werden. Heute stellen diese 10 Milliarden alleine ein Zehntel des Sondervermögens dar, das die Ampel-Regierung für die Aufrüstung der Bundeswehr beschlossen hat.

Gerade die Bundeswehr spielt dann eine weitere Rolle, denn wenn die körperliche Ertüchtigung nicht in der Schule ermöglicht wird, dann ist in Perspektive das – wachsende – Militär eine der besten Gelegenheiten, um viele nicht erlernte Fähigkeiten nachträglich zu erwerben. Dass die Bundeswehr mit solchen Angeboten auf Jugendliche zugehen wird, ist nur eine Frage der Zeit. Andere Gelegenheiten findet man heutzutage besonders in Fitnessstudios, die ein total individualistisches Bild von Sport predigen und die Gym-Besucher auf der einen Seite ruhig stellen und auf der anderen Seite leistungsfähiger für ihren Ausbeuter machen. Während die sozialen Angebote des Staates an seine Bürger abnehmen, wachsen die Angebote der Bourgeoisie, die die Massen „gefügiger“ fürs System machen und in vielen Stellen in den Dienst des Staates stellen sollen.