Bei Einkommensunterschieden von Männern und Frauen, was Bürgerliche den „Gender-Pay-Gap“ nennen, gibt es eine verschiedene statistische Größen. Da gibt es z.B. den sogenannten „bereinigten Gender-Pay-Gap“. Dieser wird in den bürgerlichen Medien als viel aussagekräftiger und damit relevanter beschrieben und – oh Wunder – er liegt deutlich unter dem „unbereinigtenGap“. Dieser erfasst statistisch den Unterschied der Durchschnittslöhne zwischen allen Frauen und allen Männern, ohne Rücksicht auf Tätigkeit, Ausbildung oder Arbeitszeit. Er liegt 16 Prozent.
Der „bereinigte Gender-Pay-Gap“, der den Verdienstunterschied bei gleichem Beruf, gleicher Qualifikation, vergleichbarer Erwerbsbiografie und gleicher Arbeitszeit misst, liegt im Durchschnitt bei 6 Prozent.
Der „bereinigte Gender-Pay-Gap“ wird durch viele Berufe gesenkt, in denen Männer und Frauen durch Tarife gleich bezahlt werden. Das bedeutet, dass in den anderen Berufen, in denen es keine Tarifbindung gibt, die Verdienste zwischen Frauen und Männern sehr stark auseinander klaffen.
Manche Statistiker unterscheiden bei der Ermittlung der Statistik zum „Gender-Pay-Gap“ nicht zwischen Teil- und Vollzeitanstellungen, betrachten also nicht Einkommen, sondern Bruttostundenlöhne. Dies nennt man in der bürgerlichen Presse dann „teilbereinigten Gender-Pay-Gap“.
Tatsächlich arbeiten etwa die Hälfte der Frauen in Deutschland in Teilzeit, bei den Männern sind es etwa zwölf Prozent. Bedeutet, Frauen haben im Durchschnitt deutlich weniger Einkommen. Teilzeitkräfte haben es außerdem in der Regel deutlich schwerer als Vollzeitarbeitende, Gehaltserhöhungen zu bekommen. Dazu kommen noch viele viele weitere Umstände, die solche häufig veröffentlichten Zahlen zumindest zweifelhaft erscheinen lassen.
Andere bürgerliche Statistiker beschäftigen sich darüberhinaus mit dem sogenannten “Gender Overall Earnings Gap”. Bei dessen Berechnung fließen drei Komponenten ein: der durchschnittliche Bruttostundenverdienst, die Anzahl der bezahlten Arbeitsstunden im Monat und die Erwerbstätigenquote.
Der “Gender Overall Earnings Gap” oder auch “Gender Gap Arbeitsmarkt” beschreibt den somit deutlich genauer den Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern im erwerbsfähigen Alter. Ende Februar wurden dazu Zahlen veröffentlicht. Demnach lag der „Gender Gap Arbeitsmarkt“ im Jahr 2025 mit 37 % auf dem gleichen Niveau wie im Vorjahr.
In den östlichen Bundesländern fiel der Indikator für die „erweiterte Verdienstungleichheit“ 2025 mit 22 % wesentlich geringer aus als im Westen mit 39 %. Am niedrigsten war der Gender Gap Arbeitsmarkt in Mecklenburg-Vorpommern (17 %), gefolgt von Sachsen-Anhalt (20 %). In den westlichen Bundesländern lag der Wert hingegen höher: am höchsten in Baden-Württemberg und Bayern mit 41 %, gefolgt von Hessen, Niedersachsen und dem Saarland (jeweils 40 %).
Die unbezahlte Reproduktionsarbeit bleibt auch hier freilich außen vor. Frauen arbeiten laut etwas älteren Zahlen statistisch knapp dreißig Stunden pro Woche unbezahlt, Männer zwanzig. 48 Stunden unbezahlte „Care-Arbeit“ pro Woche leistete demnach im Jahr 2022 eine Mutter eines Kindes im Alter von unter sechs Jahren.




