Im ganzen Land laufen gerade Betriebsratswahlen. In manchen Betrieben zieht sich die Wahl noch einige Wochen hin. Erste Auszählungen aber zeigen bereits, dass die AfD-“Gewerkschaft“ „Zentrum“ an einigen Mercedes-Werken auf dem Vormarsch ist. Rechtlich gesehen ist das „Zentrum“ allerdings derzeit keine tariffähige Gewerkschaft.
Insbesondere in Untertürkheim ist die AfD stark. Das „Zentrum“ sitzt dort seit 2010 im Betriebsrat. Das „Zentrum“ holte nun rund 21 Prozent der Sitze im kommenden Betriebsrat, wird 9 von 43 Sitzen im Betriebsrat erhalten, die IG Metall 31. Zuletzt waren es sieben AfDler von 45 Mitgliedern.
Der IG-Metall Betriebsratschef in Untertürkheim meint trotzdem: Die IG-Metaller machten einen „verdammt guten Job“, mit „zukunftsfähigen Produkten und Regelungen für die Belegschaft“, die Belegschaft unterstütze die Arbeit der IG-Metall-Betriebsräte. Das ist angesichts der Situation eine äußerst fragwürdige Aussage.
Auch am Mercedes-Standort Sindelfingen gibt es eine ähnliche Entwicklung. Dort kann die IG Metall zwar noch die Zahl ihrer Sitze mit 48 stabil halten. Aber das „Zentrum“ holt dort ebenfalls auf hat mittlerweile drei Sitze, 2022 waren es nur zwei. Mit Kay Rittweg sitzt für die AfD seit der Landtagswahl 2026 auch ein „Zentrums“-Mitglied des Betriebsrats Sindelfingen im baden-württembergischen Landtag.
Auch bei Audi in Ingolstadt und Neckarsulm stellt die AfD Kandidaten. An beiden Standorten kandidiert „Zentrum“ als Liste 4. Mitglieder im Betriebsrat hat „Zentrum“ bislang an beiden Standorten von Audi nicht. Und auch bei Volkswagen kandidiert die AfD-“Gewerkschaft“ am Standort Braunschweig.
Der Gründer der AfD-“Gewerkschaft“ ist Oliver Hilburger. Er war früher Gitarrist der Naziband „Noie Werte“. Auch mit deren Musik unterlegte der „NSU“ seine Bekennervideos.
Dass trotzdem immer mehr Arbeiter der AfD Betriebsratsliste ihre Stimme geben, hat auch mit einer steigenden Unzufriedenheit vieler Arbeiter mit der noch immer stärksten Industriegewerkschaft IG Metall zu tun. Dies hängt eng zusammen mit der Krise der Sozialdemokratie, wie sie sich unlängst bei dem für die SPD dramatischen Wahlergebniss in Baden-Württemberg zeigte.
Die IG Metall gibt hohe Summen für die Wahlen ihrer Listen vor Ort aus: Kosten für Materialien wie Flyer oder Plakate, Rollups oder kleine Werbegeschenke. Nutzen tut es immer weniger.
Die IG Metall hat mit dem „Verein zur Bewahrung der Demokratie“ bereits vor Jahren eine Kampane gegen die AfD im Betrieb initiiert. Der Verein will „die Demokratie bewahren“, sammelt Informationen und dokumentiert Aktionen des Zentrums. Der Erfolg auch davon ist bislang mäßig.
Zum Jahreswechsel 2025/2026 zählte die IG Metall deutschlandweit noch gut zwei Millionen Mitglieder – ein Rückgang von rund vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Probleme der IG Metall zeigten sich zuletzt vor allem bei der Abwälzung der Krisenlasten auf breitere Schichten der Arbeiterklasse. Auch die mittleren und höheren Schichten der Industriearbeiter sind in ihren Privilegien bedroht. So kündigte Volkswagen eine Vereinbarung zur Beschäftigungssicherung, die IG Metall nahm es hin. Auch bei ZF Friedrichshafen werden mit tausende Arbeiter rausgeworfen, ebenfalls unter Mitwirkung der IG Metall.





