Der 14. Juni markiert den Jahrestag einer wichtigen Erfahrung im Schatz unser Klasse, insbesondere unserer Klassengeschwister in Mexiko. An diesem Tag im Jahr 2006 begann eine brutale Repression gegen das mobilisierte Volk im Bundesstaat Oaxaca. Sowohl auf Seiten der reaktionären Regierung als auch auf Seiten des Volkes bleiben viele der Akteure bis heute aktiv auf ihrer jeweiligen Seite im Klassenkampf. Auf unserer Seite sticht die XXII. Sektion der Lehrergewerkschaft CNTE hervor, die auch heute eine der aktivsten Kräfte in den Kämpfen gegen die WM und für die demokratischen Forderungen der Lehrerschaft sind. Auch für die Front des Volkes – Rote Sonne waren diese Kämpfe eine prägende Erfahrung im Prozess ihrer Gründung als Strömung des Volkes Rote Sonne, Ende des selben Jahres, damals noch nicht öffentlich. Wir teilen eine inoffizielle Übersetzung eines Artikels von „Periódico Mural“ aus ihrer 29. Ausgabe über diese Erfahrungen:
Mit Anlass von 20 Jahren APPO
Der 14. Juni ist der 20. Jahrestag der Repression gegen die demokratische Lehrerschaft in Oaxaca, eingefädelt vom damaligen Regenten des Bundesstaates, Ulises Ruiz Ortis. In diesem Morgengrauen mobilisierte er ein brutales Kommando unterschiedlicher Polizeieinheiten mit dem Ziel das Protestcamp vom Marktplatz der Stadt zu vertreiben. Mit Tränengas, Patrouillen und Schusswaffen hat der Tyrann versucht seine schwarzen Träume zu erfüllen, aber was er erreichte war es ein ganzes Volk aufzuwecken.
Instinktiv und von den unterschiedlichsten Ecken der Stadt aus, nahmen sich die Leute vor Ort die Straßen in Solidarität mit der Lehrerschaft, die, seit einem Monat zuvor, von der offiziellen Presse, deren Aufgabe es war die Repression zu rechtfertigen, verschmäht und kriminalisiert worden war. Bewaffnet nur mit Stöcken, Steinen und ihrer Würde, half das Volk von Oaxaca seinen Lehrern den Hauptplatz wieder zu erobern und von da an war die Geschichte eine andere. Die Demokratische Bewegung der Erziehungsarbeiter von Oaxaca (Movimiento Democrático de los Trabajadores de la Educación de Oaxaca (MDTEO)) rief im Zentralen Gebäude des Rechts (der Autonomen Universität Benito Juárez (UABJO)) die unterschiedlichen Kräfte der Volksbewegung auf, die auch vom Tyrann verfolgt und geschlagen worden waren. Dort kam die Idee auf einen großen Prozess von Einheit und Kampf, fähig das nicht organisierte Volk mit sich zu nehmen, zu formen. Die APPO (Asamblea Popular de los Pueblos de Oaxaca – Volksversammlung der Völker von Oaxaca) wurde geboren.
Die historische Ansammlung von Übergriffen, Vertreibungen, Misere, Unterdrückung, Ausbeutung und Erniedrigungen, zusammengefasst im gewalttätigsten, politischen Häuptlingstum und der grausamen Repression gegen die Lehrerschaft waren der objektive Faktor, der das spontane Erheben der Massen der unterschiedlichen Regionen des Staates ermöglichte, sich die Parole „Ulises wird fallen!“ zu eigen machend.
Das Volk auf den Straßen trug Kreativität, Initiative und Kampfbereitschaft zur Schau, was der Volksversammlung der Völker von Oaxaca erlaubte einen authentischen Sprung zum Volksaufstand zu vollziehen, der die Grenzen der bürgerlichen Gesetzbarkeit und der „guten Manieren“ und auch die Gewerkschaftsspitzen und die heiligen Kühe der Bewegung, die später ihre opportunistischen Dynamiken des „Verhandelns um jeden Preis“ anwendeten, überschritt. Fast 6 Monate lang nahm die APPO in der Tat eine Neue Macht in der Stadt und mehreren Volksgemeinden an. Mit Selbstverteidigung und einem bewaffneten Meer an Massen verteidigte sie die Interessen der Armen und verhinderte das Funktionieren der offiziellen Staatsmächte. Der militärische Ausgang war der einzige Ausweg für den alten mexikanischen Staat, im welchen er Oaxaca belagerte um zu verhindern, dass sich dieses Beispiel im ganzen Land ausbreite, wo bereits neue Volksversammlungen geboren wurden.
Mit Anlass der 20 Jahre der APPO gibt es viele Lektionen die aus diesem historischen Prozess, der den Klassenkampf in Oaxaca und ganz Mexiko prägte, zu ziehen. Es fehlten die kollektiven und aufrichtigen Anstrengungen derjenigen die ihre Leben in dieser großen sozialen Bewegung gaben und sich immer links hielten um all diese Erfahrungen zu systematisieren, die ohne Zweifel eine große Aktionsschule war, die Kader, Aktivisten, Kämpfer und Volksmassen für die kommende große revolutionäre Welle geschmiedet hat.
Trotzdem können wir auf diesen Seiten die zentralen Lehren zusammenfassen: 1) Die Einheit der Kräfte des Volkes sollte sich auf Prinzipien und in der Aktion basieren. 2) Man sollte nicht mit dem Aufstand spielen. 3) Es sollte nicht erlaubt werden dass der Aufstand verhandelt wird. 4) Die Macht sollte Stück für Stück angefochten und Neue Macht installiert werden. 5) Die Neue Macht sollte sich mit revolutionärem bewaffnetem Kampf verteidigen. 6) In Perspektive der Macht für das Volk, sollte Arbeiterklasse seine Avantgarde-Partei als Heldenhaften Kämpfer der Revolution rekonstituieren.




