Das Regime De la Espriella startete vor zwei Wochen den ersten Luftangriff der neuen Regierung gegen die Guerillaorganisation Nationale Befreiungsarmee (ELN), die sogenannte „Operation Beta“.
In der Nacht vom 10. auf den 11. August – kurz nachdem ein massives Erdbeben Kolumbien erschütterte und hunderte tötete – bombardierten die reaktionären Streitkräfte das Catatumbo-Gebirge in den Gebieten Tibú und San Calixto mit Artillerie, Kampfjets und A-29 Super Tucano-Flugzeugen.
Laut Armeeangaben führte die Operation zur „Neutralisierung“ zweier ELN-Mitglieder und zur „Beschlagnahme von Waffen, 1,5 Tonnen Sprengstoff, darunter 440 Handgranaten […] sowie zur Lokalisierung und Zerstörung von zwei Bunkern und fünf Lagern“.
In der Erklärung der Reaktion hieß es außerdem, die Operation sei „unter Beachtung der Grundsätze der Unterscheidung, Verhältnismäßigkeit, Vorsorge und Menschlichkeit und unter besonderer Berücksichtigung des Schutzes der Zivilbevölkerung“ durchgeführt worden.
Bauern in der Region Catatumbo und soziale Organisationen verbreiteten jedoch schnell ein Video, welches die Auswirkungen der Operation auf das Haus einer betroffenen Familie zeigte. Drei Bauern aus dem Dorf El Sinaí wurden durch Granatsplitter des Bombenangriffs schwer verletzt. Zudem wurden ihr Haus be- und ihr Vieh geschädigt.
Mehrere Familien wurden durch den Angriff der Armee vertrieben. Alles deutet darauf hin, dass die Operation ein Fehlschlag war (den die Armee als Erfolg feierte), denn trotz der ständigen Veröffentlichung von Videos und Fotos durch die neue Regierung legten die Behörden diesmal keinerlei Beweise für die Zerstörung von Lagern oder Bunkern oder die Sicherstellung von Granaten vor.
Der Verteidigungsminister rechtfertigte sich damit, dass das Bombardement nicht die Bauern in diesem Gebiet betroffen habe: „Die Operation gegen die ELN fand in Tibú und San Calixto statt, nicht im Dorf El Sinaí.“ Die Einwohner von Catatumbo hingegen bekräftigten, dass das Dorf El Sinaí aber sehr wohl zu San Calixto gehöre, was auch durch Dokumente bestätigt wurde.
Das Scheitern der Operation wurde auch in einem Artikel des „Semana“ Magazins deutlich,das der Familie Gilinski gehört – der reichsten Familie des Landes und Hauptunterstützer von Abelardo De la Espriellas Wahl-Kampagne:
In dem Versuch, das Vorgehen des Militärs zu beschönigen, behauptete dieses Desinformationsmedium, die ELN selbst habe die Zivilbevölkerung angegriffen: „Semana hat erfahren, dass der militärische Gegenspionagedienst ein mögliches Leck auf höchster Ebene bezüglich der Operation untersucht, das es den ELN-Guerillas ermöglicht hätte, zu reagieren. Der mögliche Einsatz von mit Sprengstoff beladenen Drohnen gegen die Zivilbevölkerung, die offenbar verletzt wurde, wird untersucht – offenbar in dem Versuch, das Vorgehen der Streitkräfte zu delegitimieren.“ Unabhängig davon, ob es sich hierbei um eine gezielte Täuschungstaktik der betreffenden Publikation handelt, bestätigt sie eindeutig, dass die Aufstandsbekämpfungsoperation der Armee nicht den beabsichtigten Erfolg erzielt hat.
Andererseits heißt es in einer Erklärung der ELN vom 11. August: „Angesichts des Ausmaßes der Operation und der Prahlereien des sogenannten Präsidenten scheint es, als würden sie nur vorgeben, Stellungen der Aufständischen anzugreifen, während sie in Wirklichkeit Bomben auf bewohnte Gebiete und ländliche Gemeinden abwerfen. […] Für Catatumbo beginnt und endet die ‚schreckliche Nacht‘ nicht; sie besteht fort, parallel zu den Plänen, die vom US-Imperium diktiert und vom kolumbianischen Staat umgesetzt werden. […] Die Regierung mag gewechselt haben, aber die kriminellen Praktiken bleiben dieselben, denn sie sind Teil der militärischen Doktrin der Aufstandsbekämpfung und der Strategie des inneren Feindes, die darauf abzielt, ganze Gebiete zu terrorisieren und zu verwüsten, um Ressourcen zu erschließen, Drogenhandelszentren zu errichten und ein geostrategisches Gebiet wie die Grenze zwischen Kolumbien und Venezuela zu kontrollieren.“
Das Bombardement reiht sich ein in eine Serie von Fehlschlägen. So erklärten am 20. Juni, nur einen Tag vor der Stichwahl um das Präsidentenamt, der scheidende Präsident und der Verteidigungsminister die angebliche Tötung des stellvertretenden FARC-Anführers, alias „Marlon“. Doch bereits am 19. Juli veröffentlichte die Guerillagruppe ein Video, in dem „Marlon“ selbst zu sehen war. Bis heute hat die Regierung keinerlei Beweise für seinen Tod vorgelegt.
Auf der anderen Seite sind die Guerillas weiter aktiv. Allein 17 Angriffe auf Polizeistationen, Militärbasen, Mautstellen und staatliche Infrastruktur wurden in der ersten Woche der Regierung De la Espriella gemeldet. Einige Guerilla-Kämpfer fielen bei Gefechten, andere gerieten in Kriegsgefangenschaft, aber vor allem gab es zahlreiche Verwundete und Verluste unter den reaktionären Streitkräften.
Egal wie laut er brüllt, der neue „Vaterlandsverkäufer“ wird sein politisches Versprechen, die Guerillas zu zerschlagen und die Sicherheit des Landes innerhalb von 90 Tagen wiederherzustellen, nicht einlösen können. Der kolumbianische Staat scheitert seit über 60 Jahren an diesem Vorhaben. Plan Patriota 2.0 und sein Ziel, die Kontrolle in jedem Winkel des Landes zurückzuerlangen, werden scheitern, denn solange die kolumbianische Nation und das Volk weiterhin vom US-Imperialismus und seinen Handlangern, der Großbourgeoisie und den Großgrundbesitzern, unterdrückt werden, werden die Zustände des Elends und der Unterdrückung, die den bewaffneten Widerstand im Land im weiter anheizen.





