Am 28. Januar 2026 nahm die türkische Militärpolizei bei Mardin eine Delegation fest, die sich auf einer Solidaritätsrundreise durch kurdische Gebiete befand. Den 16 aus verschiedenen europäischen Ländern kommenden Journalisten und jungen Aktivisten droht die Ausweisung. Mit diesem Angriff wollen die Herrschenden in der Türkei offenbar eine internationale Öffentlichkeit über ihre Verbrechen unterbinden.
Die internationale Delegation hatte in wenigen Tagen in mehreren Städten im Südosten der Türkei, u.a. in der Provinz Diyarbakır und Mardin, verschiedene Treffen. Nach eigenen Angaben waren die Aktivisten auch in Qamischli, Großstadt im Gouvernement al-Hasaka im Nordosten Syriens. Anlass für die Reise waren anhaltende Angriffe und Massaker, von Milizen und syrischen Regierungstruppen mit Unterstützung durch die Türkei in Nordostsyrien. Im Rahmen der Rundreise beobachteten die sechzehn Mitglieder der Delegation auch Proteste der lokalen Bevölkerung gegen die Angriffe, Menschenrechtsverletzungen und die türkische Beteiligung daran. Zugleich wollten sie genauere Informationen über die Versorgungssituation vor Ort sammeln und international öffentlich machen.
Die Festgenommenen wurden nach ihrer Ingewahrsamnahme der Ausländerbehörde (Göç İdaresi) überstellt und sollen offenbar ausgewiesen werden. Offizielle Angaben zu den rechtlichen Gründen der Maßnahme lagen zunächst nicht vor. Es gibt Gerüchte über eine Verlegung der Gefangenen nach Istanbul.
„Trotz unserer Funktion als Anwälte war es uns bislang nicht möglich, mit den einzelnen Personen zu sprechen oder Zugang zu ihnen zu erhalten. Uns liegen keine Informationen darüber vor, ob die Personen bereits verhört wurden, Bis zum jetzigen Zeitpunkt wurde uns zudem kein Grund für die Festhaltung der 16 deutschen Staatsbürger genannt“, so eine mit dem Fall betraute Juristin.
Die deutsche Regierung bzw. das zuständige Auswärtige Amt erklärte sich Mitte dieser Woche für ahnungslos in Bezug auf das Schicksal der Delegation. Zwar seien Berichte zu „möglichen Festnahmen“ bekannt. Mehr wisse man aber nicht und sei „bemüht, den Sachverhalt schnellstmöglich aufzuklären“.
Der Angriff auf die internationale Delegation, die Verhaftung und Inhaftierung der jungen Aktivisten und Journalisten durch den türkischen Staat ist ein Verbrechen, zeigt aber lediglich wie viel Angst die Herrschenden vor dem Volk haben. Nicht umsonst stufte „Reporter ohne Grenzen“, ein bürgerlicher Verein der sich allgemein für die Pressefreiheit engagiert, die Türkei im Ranking der Pressefreiheit im Jahr 2025 hinter Jemen, Irak, Sudan, Bahrain und Pakistan auf Platz 159 ein.
Die Aktivisten prangerten in Veröffentlichungen zurecht die Komplizenschaft des deutschen Imperialismus bei den Verbrechen sowohl des türkischen als auch des syrischen Regimes an.
Das deutsche Finanzkapital hat auch dort direkte Interessen. Vor etwa einem Jahr wurde in der „Economic Review“, eine Fachzeitschrift für bürgerliche Ökonomie, von Erkan Ilgün der International Burch University eine Studie der Dynamik deutscher Direktinvestitionen (d.h. Kapitalexport) in der Türkei veröffentlicht. Eine der Kernaussagen dieser Studie ist die entscheidende Rolle deutscher Direktinvestitionen in der türkischen Wirtschaft, und dass diese Investitionen weiter zunehmen.






