Während das deutsche Finanzkapital sich in keiner Weise aus der seit 2019 andauernden Krise befreien kann, auch weil die gegenwärtige Regierung besonders schwach und schlecht ist, zeichnen sich am gar nicht so weit entfernten Horizont bereits die nächsten Sturmwolken für den deutschen Imperialismus ab. Verschiedene sich mit Ökonomie beschäftigende bürgerliche Medien, wie das Handelsblatt, orakeln über die nächste kommende weltweite „Finanzkrise“.
Ein Merkmal wird dabei von den bürgerlichen „Experten“ besonders hervorgehoben: Der sogenannte „Private Credit“ Markt. Dort werden Kreditgeber vom Gesetzgeber mit weniger Regeln behelligt als klassische Banken, denn sie verfügen aber nicht über eine Banklizenz und bewegen sich unterhalb des Radars der Finanzaufsicht. Der Markt für diese Private-Credit-Angebote ist nach verschiedenen Schätzungen mittlerweile auf zwei bis zweieinhalb Billionen Dollar angewachsen. Dieser „Schattenbankensektor“ hat damit die Größe des staatlich regulierten Bankenmarkts erreicht.
Dieser Markt „kriselt“. Im September 2025 ging die texanische Tricolor-Holdings in Konkurs. Vergangene Woche schlitterte dann mit Blue Owl ein großer Anbieter von Private Credit in die Krise. Um Liquidität ringende Hedgefonds wie zum Beispiel LTCM waren schon öfter Krisenbeschleuniger. Am vergangenen Mittwoch schränkte die größte Bank in den USA, J.P. Morgan, die Vergabe von Darlehen an private Kreditfonds ein.
In dem unregulierten Kreditmarkt werden auch sogenannte Subprime-Kredite gehandelt. Als Subprime-Markt wird ein Teilmarkt des Kreditmarkts bezeichnet, auf dem Kreditnachfrager mit geringer Kreditwürdigkeit (subprime borrowers; „zweitklassige Schuldner“ im Gegensatz zu prime borrowers, Kreditnehmern erstklassiger Bonität) Kredite bekommen können. Diese feiern insbesondere unter Autohändlern ein Comeback. Auf vielen Social Media Plattformen finden sich Snipets in denen Menschen erklären sie hätten ohne Anzahlung ein Auto gekauft, mit Raten von vielen hundert Dollar, auf mehrere hundert Monate.
Ein weiteres Anzeichen für die kommende Krise: Goldman Sachs will Spekulationen auf den Wertverfall von Unternehmenskrediten ermöglichen. Ein ähnliches Angebot platzierte die Bank kurz vor Ausbruch der Krise 2008.
Auf einer Veranstaltung des Center for Financial Studies der Frankfurter Goethe-Universität vor einigen Tagen hieß es in diesem Zusammenhang unter anderem, dass die Bewertung von US-Aktien, insbesondere von Techwerten, „enorm hoch“ seien. Auch seien die Bruttovermögen der Amerikaner seit Jahrzehnten viel schneller gewachsen als die Leistung der Volkswirtschaft. Hinzu komme ein „spektakulärer Anstieg der Wohnimmobilienpreise“ in den USA, über den kaum jemand rede, der sich aber mit Daten der OECD gut belegen lasse. Die hohen Wohnimmobilienpreise würden als Risiko unterschätzt. Auch die Staatsschulden der USA und Chinas seien zu hoch, denn ihr Niveau übersteige inzwischen eine ganze Jahreswirtschaftsleistung.
Auch Stablecoins wie Tether und Circle bergen hohe Risiken, auch und weil sie mithilfe hoher Reserven an US-Staatsanleihen stets einen fest an den US-Dollar gekoppelten Wert der Kryptowährung garantieren. Sie könnten in einem für sie ungünstigen Moment gezwungen sein, US-Staatsanleihen zu verkaufen, was diesen Markt massiv unter Druck setzen und wohl die Preisbindung der dann nicht mehr so stabilen Stablecoins beenden würde, was eine weitere Abwärtsspirale in Gang setzen könnte.
Der ehemalige Vorstandschef von Goldman Sachs schrieb unlängst, man sollte sich nie darauf verlassen, dass man üblicherweise liquide Vermögensgegenstände in der Not auch loswerde. Da die letzte „Finanzkrise“ mehr als zwanzig Jahre zurückliege, seien zu viele Menschen gerade allzu entspannt. Der CEO von JP Morgan erklärte, dass die Lage an den Finanzmärkten ihn stark an die „Subprime-Blase“, die 2008 platzte, erinnere. Heute sehe man, was man in den Jahren 2005 bis 2007 gesehen habe, „fast dasselbe“.





