Seit rund zwei Monaten werden mehrere ausländische Journalisten in Syrien vermisst. Das Komitee zum Schutz von Journalisten forderte unlängst syrische Behörden auf, das Schicksal und den Aufenthaltsort der deutschen Journalistin Eva Maria Michelmann und des türkischen Journalisten Ahmed Polad aufzuklären, zu denen laut Medienberichten und Angehörigen seit dem Mitte Januar kein Kontakt mehr besteht.
Damals fiel die nordostsyrische Stadt Raqqa in einer Offensive gegen die „Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF)“ an Regierungstruppen. Die SDF zog sich zurück und erklärte sich bereit erklärten, ihre Streitkräfte in die syrischen Staatsinstitutionen zu integrieren, wodurch das Regime in Damaskus die Kontrolle über die Stadt und die umliegenden Gebiete wiedererlangen konnte.
Die beiden Journalisten arbeiten für die Nachrichtenagentur ETHA und Özgür TV. Sie wurden als letztes gesehen, als sie zusammen mit weiteren Zivilisten versuchten aus der Stadt zu entkommen. Sie wurden jedoch von der Gruppe getrennt und nach Medienberichten in ein Fahrzeug der Regierungstruppen verbracht.
Antonius Michelmann, der Bruder der deutschen Journalistin aus Köln, betonte, dass Eva Maria von Kräften der syrischen Übergangsregierung festgenommen worden sei, und dass es seitdem „kein Lebenszeichen von ihr“ gegeben habe.
ETHA erklärte Maria arbeitete seit etwa vier Jahren für die Agentur und schicke Nachrichtenberichte aus Nordsyrien. Aus Sicherheitsgründen wurden ihre Berichte stets anonym veröffentlicht.
Michelmanns Anwalt teilte mit, dass er bezüglich des Falls mit der deutschen Regierung in Kontakt stünde, aber „bisher keine Informationen erhalten habe“. Auf einer Pressekonferenz der Organisation „Peoples Bridge“ äußerte der Anwalt die Sorge, dass sich Michelmann in informeller Gefangenschaft befinden könnte, dass sie verschleppt worden sein könnte, dass sie getötet und in einem anonymen Massengrab verscharrt worden sein könnte, oder dass die Türkei unmittelbar an den militärischen Auseinandersetzungen im Januar beteiligt gewesen sein könnte und Michelmann von syrischen Regierungstruppen an türkische Truppen übergeben wurde.
Omar Haj Ahmed, Generaldirektor für Presseangelegenheiten im syrischen Informationsministerium, erklärte: „Das Ministerium verfügt über keinerlei Informationen zu dem Vorfall oder den beteiligten Personen, und es wurde weder ein Antrag gestellt noch ein formelles Verfahren eingeleitet.“ Auch Morhaf al-Hussein, Direktor der Mediendirektion des Gouvernements Raqqa, teilte mit, er verfolge den Fall.






