Mexiko | Zwei Jahre später lebt Sandra

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Mexiko | Zwei Jahre später lebt Sandra


Wir teilen hier eine inoffizielle Übersetzung eines Nachrufs auf Sandra Estéfana Domínguez Martínez. Sandra und ihr Ehemann Alexander Hernández wurden am 4. Oktober 2024 in María Lombardo de Caso, Gemeinde San Juan Cotzocón, Oaxaca, verschwunden gelassen. Am 24. April 2025 wurden Sandra und Alexander tot auf einem Grundstück in Santiago Sochiapán, Veracruz, nahe der Grenze zu Oaxaca, aufgefunden.

Die Suche endet dort, wo die Wahrheit beginnt. Die Gerechtigkeit beginnt dort, wo die Straflosigkeit aufhört.

Heute, zwei Jahre später, lebt Sandra weiter. Und in uns brennt noch immer die Wut.

Wut darüber, dass sie uns geraubt wurde. Wut darüber, dass wir sie suchen mussten. Wut darüber, dass wir lernen mussten, einen Körper zu erkennen, während wir eigentlich nur wollten, dass sie uns wieder in die Arme schließt.

Während wir lernten, mit ihrer Abwesenheit zu leben, schritten jene an der Macht mit vollkommener Straflosigkeit weiter – obwohl Sandra sie beim Namen genannt hatte.

Dies offenbart das Oaxaca, in dem wir heute leben: ein Staat am Abgrund, gezeichnet von Gewalt, von Blut und einer Straflosigkeit, die wie eine stillschweigende Erlaubnis wirkt, einfach weiterzubestehen.

Es ist zutiefst würdelos zu sehen, wie Macht zu einer Obsession werden kann, die alles zerbricht: Loyalitäten, Institutionen, Familien und selbst die heiligsten Bande.

Denn wenn Macht nicht mehr dazu dient, dem Volk zu helfen, sondern zum Selbstzweck wird, wird alles verhandelbar. Sogar die Wahrheit.

Doch Sandra ist nicht verhandelbar. Ihr Andenken ist nicht verhandelbar. Ihre Würde ist nicht verhandelbar. Und unsere Forderung nach Gerechtigkeit ist es ebenso wenig.

Zwei Jahre nach ihrem Verschwinden möchte ich nicht, dass Sandra nur als eine weitere Ziffer in einer Statistik in Erinnerung bleibt. Ich will, dass man sich an all das erinnert, was sie ans Licht brachte. An jede Stimme, die sie zu erheben suchte. An jede Ungerechtigkeit, die sie benannte. An jede Frau, der sie zuhören wollte. An jedes Mal, als sie sich entschied zu sprechen, während andere lieber schwiegen.

Denn es gibt etwas, das dieses Land längst hätte lernen müssen: Mit jeder Verletzung der Menschenrechte erwacht eine Stimme, die bereit ist, sie zu verteidigen. Und vielleicht ist genau deshalb die Existenz von Frauen, die nicht schweigen, so gefährlich für die Mächtigen.

Ich möchte, dass ihr euch daran erinnert, wer Sandra war.

Eine Frau des Ayuuk-Volkes. Eine Kämpferin. Eine Schwester. Eine Tochter. Eine Mutter. Eine Frau, die sprach, als andere das Schweigen vorzogen.

Und solange es auch nur einen einzigen Menschen gibt, der ihren Namen ausspricht; solange jemand weiter fragt, was geschehen ist, und solange es Menschen gibt, die Wahrheit und Gerechtigkeit fordern, wird ihre Geschichte weiterleben. Sie wird die Mächtigen weiter beunruhigen.

Denn Sandra ist nicht aus unserem Gedächtnis verschwunden.

Sandra lebt.

Und solange die Straflosigkeit herrscht, werden wir weiter fragen:

Wo bleibt die Gerechtigkeit?

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