Bewaffneter Kampf im Weltall – Filmrezension zu Star Wars: Andor

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Bewaffneter Kampf im Weltall – Filmrezension zu Star Wars: Andor

Auch wenn die originale Star Wars-Triologie von 1977 bis 1983 unbestritten ein beliebtes Kult-Werk ist, welches das Sci-Fi-Genre deutlich geprägt hat, so sind die neueren Produktionen unter dem Schirm von Disney allgemein als grottenschlecht bekannt. Die Serie „Andor“ ist die Prequel-Serie zu einem Spin-Off zu der Originaltrilogie und in nahezu allen Aspekten weicht diese Serie komplett von den restlichen Filmen und Serien ab.

Auf der einen Seite ist es die komplette Grundstory. Während die Star Wars Trilogien sehr stark das Setting einer Märchengeschichte im Weltall haben; mit dunklen Rittern, guten Zauberern und alienartigen Bestien, ist Andor in seiner Geschichte sehr viel „realistischer“. Ein zentrales Element in Star Wars ist die bewaffnete Rebellion einer Allianz von Rebellen. In den Filmen wird dies episch und mit großen Helden, die alleine die Geschichte schreiben dargestellt.

In „Andor“ ist das nicht so der Fall. Die Serie ist, im Gegensatz zu dem Rest der Filme viel ernster. Die Entstehungsgeschichte der Rebellion, die in der Serie gezeigt wird, ist grundsätzlich, dass zu Beginn zahlreiche kleine Widerstandsgruppen mit unterschiedlichen politischen Ausrichtungen existieren, die meist voneinander isoliert sind und häufig nur losen Kontakt zu einzelnen anderen Gruppen haben. Im Verlauf der Serie gibt es dann die Entwicklung, dass diese verschiedenen Gruppen immer näher zueinander kommen und sich die meisten von diesen letztlich in einer Rebellenallianz zusammenschließen – hier wird von Hollywood eine falsche Vorstellung vermittelt, welche mit den Vorstellungen vieler kleiner Häuptlinge in der revolutionaristischen Bewegung konvergiert.

Das zentrale Thema der Serie lässt sich allgemein als Widerstand gegen Unterdrückung und Ungerechtigkeit definieren und viele Geschichten und Situationen, die dort behandelt werden sind sehr offensichtlich stark von realen revolutionären und antiimperialistischen Kämpfe inspiriert. Schon George Lucas verglich seine Schlacht von Endor (Episode 6: Die Rückkehr der Jedi) mit dem Vietnamkrieg.

So ist ein Thema der Serie die Frage der gerechtfertigten Rebellion gegen Unterdrückung. Die Protagonisten der Serie sind dabei keine übermenschlichen Jedi-Ritter oder legendären Abenteurer, sondern einfache Menschen, welche beginnen sich unter bestimmten Bedingungen zu organisieren und Widerstand zu leisten. Die Rebellion wird in erster Linie als ein geheimes Verschwörer-Netzwerk dargestellt, das sich zu einer Guerilla-Armee entwickelt.

Ein weiterer interessanter Aspekt der Serie ist die Darstellung des imperialen Repressionsapparates. Das Imperium erscheint hier nicht nur als abstrakt „böse“, sondern erinnert stark an reale Institutionen imperialistischer Staaten, wie etwa den Geheimdienst des US-Imperialismus, die weltweit gegen den Widerstand der Arbeiterklasse und der unterdrückten Völker operieren. Verschiedene Punkte, wie die Nutzung von Propaganda und Desinformation durch Geheimdienste, interne Widersprüche und Karrierismus innerhalb des Repressionsapparats und die Dynamik der gegenseitigen Beeinflussung zwischen Widerstand und Repression werden eindrücklich dargestellt.

Auch ökonomische Fragen werden indirekt angesprochen, insbesondere im Verhältnis zwischen Zentrum und Peripherie. Die wohlhabenden Kernwelten in Coruscant oder Chandrila stehen in starkem Kontrast zu den ausgebeuteten Randgebieten wie Ferix oder Aldani, deren Ressourcen und Arbeitskraft systematisch geplündert werden. Es wird ein Bild eines Systems gezeichnet, in dem reiche Zentren ihren Wohlstand auf der Ausbeutung abhängiger Regionen aufbauen. Um ihre Kontrolle darüber aufrecht zu erhalten, damit sie diese Gebiete weiter ausbeuten können, geht das Imperium an mehreren Stellen äußerst hart gegen die dortige Bevölkerung vor und führt auch Völkermord durch.

Ein interessanter Aspekt der Serie ist die Darstellung unterschiedlicher politischer Linien innerhalb der Rebellion, vor allem verkörpert durch zwei Figuren: der konspirative Luthen Rael, der einen Teil des bewaffneten Kampfes repräsentiert und die Senatorin Mon Mothma, die als indirekte Repräsentantin der Rebellion im Parlament agiert. Diese beiden Charaktere vertreten die zwei verschiedenen Gesichter der Rebellion.

Dabei vertritt Luthen so etwas wie „die Einsicht in die Notwendigkeit“ und steht, so wie er in der Serie gezeigt wird, für einen aufrechten Revolutionär, welcher bereit ist selbstlos jedes Opfer im Kampf für die Freiheit zu bringen. Luthen ist der Anführer eines klandestinen, bewaffneten Rebellennetzwerks, mit dem Zweck das Imperium gewaltsam zu stürzen. Er ist ein Charakter, welcher bereit ist alles zu tun, um die Unterdrückung durch das Imperium zu beenden. Sein Weg erinnert an das, was in der realen Welt „Foco“ genannt wird, seine kleine Guerilla kämpft ohne wirkliche Massenarbeit zu leisten, ein Aspekt der in der Serie im allgemeinen überhaupt keine Rolle. In der Serie wird das als moralisch zweifelhaft dargestellt. Häufig wirkt er dabei etwas düster, wird aber nicht dämonisiert. Gilroy, der Regisseur der Serie, äußerte sich in Interviews dahingehend, dass reale Revolutionäre des 20. Jahrhunderts, wie unter anderem Lenin, als Inspiration für Luthen dienten. Dass Gilroy von Lenin nicht besonders viel verstanden hat, ist das eine, sympathisch finden kann man das trotzdem.

Im Gegensatz dazu steht Mon Mothma für die opportunistische Haltung. Sie argumentiert sehr moralisch, scheut sich immer wieder davor vermeintlich „schlechte“ Dinge zu tun und hat Angst vor Gewalt. Es geht Mon Mothma vor allem darum moralisch besser zu sein als das Imperium. Immer wieder ist sie dabei von Luthens Entscheidungen und den Folgen schockiert. In der meisten Zeit versucht Mothma das System von Innen heraus zu verändern, indem sie im galaktischen Senat, dem Parlament des Imperiums als Opposition auftritt. Dies funktioniert allerdings, sowohl im intergalaktischen Parlament, wie auch im realen bürgerlichen Parlament, nicht besonders gut. Mothma wird trotzdem die Anführerin der Rebellion, nachdem sie aus dem imperialen Senat fliehen muss.

In der Serie läuft es im Endeffekt darauf hinaus, dass verschiedene widersprüchliche Haltungen, die nicht miteinander vereinbar sind, trotzdem vereint werden und daraus dann die große Bewegung entsteht. So ist das Resümee, dass sowohl Luthens Militanz, als auch Mothmas zögerlicher Moralismus für die Rebellion entscheidend sind. Solcher Eklektizismus ist prägnant für Kleinbürger, die von der Revolution träumen.

Das Bild, das gezeigt wird, ist, dass Luthen das getan hat, was für die Rebellion am Anfang nötig war, Mon Mothma aber das Gesicht ist, dass die Rebellion bräuchte, und dass letztendlich die moderateren Elemente die Führung übernehmen müssten. Das Ergebnis ist ein Bild, in dem radikale Mittel zwar irgendwie als notwendig anerkannt werden, jedoch durch ein „moralisches Gegengewicht“ legitimiert werden müssen.

Im Fazit lässt sich sagen, dass Andor in vielerlei Hinsicht eine gute Serie für eine Hollywood-Produktion ist. Künstlerisch gehört sie wohl zu den besten Produktionen des Franchise, auch wegen der Leistungen der Schauspieler, der Erzählweise und der Tiefe der Charaktere, der Kameraführung oder den Soundeffekte, welche eine mitreißende Atmosphäre erzeugen. Besonders die Monologe sind eine große Stärke der Serie.

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