Rente mit 70?

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Rente mit 70?

Ein Bericht der BILD, behauptet eine von der Regierung eingesetzte „Experten“-Komission zur Rente wolle vorschlagen das Renteneintrittsalter auf 70 Jahre anzuheben. Natürlich haben sich die „Experten“ erstmal davon distanziert. Aber das Thema wird schon länger öffentlich behandelt und immer mehr zeichnet sich ab, dass eine „Diskursverschiebung“ statt findet, und die Rente mit 70 immer mehr zu einer realen Gefahr wird.

Konkret würde eine entsprechende Umsetzung wohl Jahrzehnte dauern, aber für Jahrgänge ab Mitte der 1970er Jahre könnte nach den veröffentlichten Überlegungen eine Regelaltersgrenze von 68 Jahren greifen. Für ab Anfang der 1980er Jahre und später Geborene könnte die Grenze in Richtung 69 Jahre steigen. Wer in und nach den 1990ern geboren wurde, müsste nach dieser Rechnung regulär bis 70 arbeiten, sofern die Empfehlung tatsächlich kurz- bis mittelfristig Gesetz würde.

Was bedeutet Rente mit 70? Zunächst einmal eine Reduzierung der Brotkrummen, die der Staat dem Volke hinwirft, damit dieses still hält. Die Hoffnung irgendwann einmal den ausmergelnden und erniedrigen tagtäglich Arbeitstrott zu entrinnen, Zeit und Geld zu haben um den Lebensabend zu genießen, das ist es worauf der Staat mit der Rente abzielt.

Für viele Arbeiter und andere Werktätige bedeutet eine Rente mit 70 schlicht, dass Abzüge für einen frühzeitigen Renteneintritt in Kauf genommen werden, weil der Rücken, die Hüfte, die Knie und/oder die Füße einfach nicht mehr mitmachen. Entsprechend gäbe es ein massives Anwachsen der Altersarmut bei den tiefsten und breitesten Massen, die die härtesten Arbeiten unter den schlechtesten Bedingungen zu den niedrigsten Löhnen leisten. Gleichzeitig würde sich die Rentenbezugszeit um den entsprechenden Zeitraum verringern.

Freilich erhöht sich auch der Grad der Ausbeutung. Drei Jahre mehr Lohnarbeit bedeuten drei Jahre mehr Ausbeutung.

Entsprechend wäre der Wert der Produktion der Arbeitskraft auf diese drei Jahre mehr entsprechend verteilt, was bedeutet, das die Produktionskosten der Ware Arbeitskraft zwar nicht sinken, aber über einen größeren Zeitraum bezahlt werden müssten. Geht man von 20 Jahren Ausbildung und 50 Jahren Lohnarbeit aus, und geht von etwa 300.000 Euro Kosten aus, dann müssen pro Jahr 6.000 Euro an Produktionskosten der Arbeitskraft durch Lohnarbeit realisiert werden, bei der Rente mit 67 wären das knapp 400 Euro mehr pro Jahr. Dieses Geld wird mit dem Lohn an den Arbeiter gezahlt. Entsprechend wird es Lohnkürzungen geben und das gilt nicht nur für diejenigen, die dann später mit 70 in Rente gehen, sondern für alle Arbeiter.

Aber das wäre, wie gesagt, erst in einigen Jahrzehnten der Fall. Worauf haben es die bürgerlichen Politiker dann abgesehen? Die ökonomischen Ängste einer großen Anzahl von Wählern – die Älteren wählen in der Regel deutlich häufiger als junge Menschen – werden ausgenutzt um Stimmenfang zu betreiben. Das eigentliche Problem wird in die Zukunft verlagert, weil bürgerliche Parteien eben nicht mehr sind als Wahlvereine, die um Karrieren und Posten wetteifern.

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