In den vergangenen Wochen kam im Zusammenhang der aktuellen Krise ein Thema immer wieder ins Gespräch. Um die Folgen der Wirtschaftskrise abzufangen, und den Fachkräfteangel zu überwinden, fordern unterschiedliche Vertreter der herrschenden Klasse die Einführung einer 42-Stunden-Woche.

 

Prominente Stimmen dabei sind beispielsweise der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Siegfried Russwurm aber auch der ehemalige SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel. „Wollen wir Menschen nicht lieber wieder mehr verdienen lassen, indem wir etwas länger arbeiten?“, sagte Gabriel der „Bild am Sonntag“. Er sieht Deutschland jetzt vor einem Jahrzehnt der Anstrengungen und sagt „Wenn wir unseren Wohlstand erhalten wollen, kommen jetzt mindestens zehn Jahre, in denen es anstrengender wird als in den letzten.“

 

Was er meint, wenn er von „unserem“ Wohlstand spricht ist klar. Er meint seinen Wohlstand, seine Existenz als Vertreter des deutschen Imperialismus, als Parasit auf dem Rücken der Arbeiterklasse und der unterdrückten Nationen. Sein Wohlstand ist für die Arbeiter nicht existent, die seiner Meinung nach drei Stunden mehr buckeln sollen. Er stellt sich damit also in die Tradition seiner Partei und leistet seinen Beitrag zur Durchsetzung einer zutiefst arbeiterfeindlichen Politik.

 

Rückenwind bekommt er dabei auch von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. „Wir müssen alle die Ärmel hochkrempeln und uns mehr anstrengen, um aus diesen vielfältigen Krisen herauszukommen“ sagt deren Chef, Steffen Kampeter und beschwört mit diesem „Wir“ die deutsche Volksgemeinschaft.

 

Der DGB hält für den Moment dagegen und Vorstandsmitglied Anja Piel sagt „Längere Arbeitszeiten, egal ob innerhalb der Woche oder am Ende des Erwerbslebens, sind der fadenscheinige Versuch, die Herausforderungen von Alterssicherung und Fachkräftemangel allein auf dem Rücken der Beschäftigten zu stemmen – billige Scheinlösungen ohne sozialen Kompass“. Klar, auch die gelben Gewerkschaften müssen zu einem gewissen Grad die Interessen ihrer Mitglieder vertreten.. Der Acht-Stunden-Tag war schließlich schon immer eine der zentralen Forderungen der Arbeiterbewegung und ein so unverhohlener Angriff auf die Klasse kann nicht einfach so hingenommen werden. Dennoch dürfen wir nicht vergessen, dass die Gewerkschaften des DGB am Ende korporativistische Werkzeuge sind, die der Bourgeoisie dazu dienen, die Kämpfe der Klasse einzudämmen. Diese Organisationen können nicht in vollem Umfang die Interessen des Proletariats vertreten und werden angesichts der zunehmenden Angriffe auf uns nicht dazu in der Lage sein, angemessen zu handeln. Um konsequent für unsere Interessen zu kämpfen, müssen wir also auch eigene Organisationen schaffen.