Seit Donnerstag, dem 14. September 2023, ruft ver.di in der Region Hannover im Zuge der aktuell laufenden Tarifverhandlungen im Einzelhandel zu einer Warnstreik-Woche auf. Bestreikt werden Einzelhandelsbetriebe wie H&M, Primark, Ikea, Douglas und Edeka. Am Freitag wurde auch das Logistikzentrum von Rewe in Lehrte bei Hannover von rund 100 Kollegen bestreikt, wodurch der Supermarkt in große Bedrängnis geriet, seine Filialen in der Region mit ausreichend Lebensmitteln zu bestücken. Schon letzte Woche kamen in Hannover rund 1000 Beschäftigte aus dem Einzelhandel zu einer Demonstration in der Innenstadt zusammen. Da die Unternehmen aber starr in ihrem Angebot blieben, wurde der einwöchige Warnstreik ausgerufen.


Ver.di fordert in den derzeitigen Tarifverhandlungen eine Lohnerhöhung von 14,5 Prozent bzw. eine Lohnerhöhung von mindestens 2,50 Euro pro Stunde. Der Tarifvertrag soll eine Laufzeit von einem Jahr haben. Der Handelsverband HDE bietet allerdings nur 8,5 Prozent Lohnerhöhung bei einer Laufzeit von zwei Jahren an. Dazu berichteten Gewerkschaftsvertreter und Arbeiter davon, dass der Handelsverband ganz offen darauf hinwies, dass wenn der gezahlte Lohn nicht zum Leben reichen sollte, staatliche Stellen mit Hilfeleistungen eingreifen könnten. Eine absurde Aussage, die zeigt, dass die Unternehmen sich kein Stück um ihre Arbeiter scheren und die Personalkosten möglichst gering halten wollen.

Aber auch die Dienstleistungsgewerkschaft verrät die Arbeiter in ihrem Arbeitskampf schon jetzt. So stellt ver.di z.B. für die sogenannten unteren Beschäftigungsgruppen nur die Forderung nach einem Mindestlohn von 13,50 Euro die Stunde. Bedeutet, dass diejenigen, die schon jetzt am stärksten ausgebeutet sind, am wenigsten verdienen und somit am meisten von den Teuerungen getroffen sind, wieder einmal von den Gewerkschaftsbürokraten fallen gelassen werden.

Wirft man einen Blick auf die vergangenen Streiks, die von den Gewerkschaftsbürokraten von ver.di und Co. geführt wurden, wird deutlich, dass diese nichts anderes als die Stiefellecker der Bourgeoisie sind. Ob im öffentlichen Dienst, bei der Post, der Bahn oder im Gesundheitswesen – in all diesen Arbeitskämpfen handelten die Gewerkschaften nur die Minimalforderungen am Verhandlungstisch aus, obwohl die Arbeiter immer gezeigt haben, dass sie bereit sind, den Arbeitskampf weiterzuführen und zu intensiveren. Und wieder sind die Kollegen entschlossen, zu kämpfen. Dennoch gibt es dafür, dass es in diesem Fall anderes kommen wird als in den letzten Streiks keine Anzeichen.