Über 15 Millionen Arme und es werden immer mehr

2–3 Minuten
Über 15 Millionen Arme und es werden immer mehr

Laut Bericht des „Paritätischen Gesamtverband“ sind 13,3 Millionen Menschen einkommensarm. Betroffen sind Alleinerziehende, Alleinlebende, junge und alte Personen.

Der Paritätische Gesamtverband veröffentlichte am heutigen Dienstag unter dem Titel „Wachsende Armut, schrumpfende Sicherheit“ seinen neuen Armutsbericht. Der Bericht stützt sich auf Zahlen des Statistischen Bundesamts und ordnet sie bürgerlich-wissenschaftlich ein.

Die soziale Spaltung in Deutschland verschärft sich dem Bericht zufolge weiter. 13,3 Millionen Menschen leben in Armut, die Armutsquote steigt auf 16,1 Prozent.

Erweiternd muss jedoch angeführt werden, dass für die Berechnung von Armutsquoten nur private Haushalte berücksichtigt werden. Wohnungslose Menschen (bis zu eine Million in der BRD), Menschen, die in Pflegeeinrichtungen (rund 800.000), Gefängnissen (ca. 60.000) leben oder solche die sich „illegal“ in Deutschland aufhalten (nach Schätzungen mehrere Hunderttausende), tauchen in dieser Statistik entsprechend nicht auf. Berücksichtigt man diese Menschen, denen es in der Regel finanziell nicht besonders gut geht, dann erhöht sich die Zahl der Amen in Deutschland auf über 15,5 Millionen.

Während Armut insgesamt zunimmt, so der Bericht, verfestigt sie sich besonders bei Älteren, Frauen und Alleinerziehenden.

Alleinlebende tragen mit 30,3 Prozent ein besonders hohes Armutsrisiko, Alleinerziehende mit 28,9 Prozent. Auch darum sind Frauen mit 16,7 Prozent häufiger von betroffen als Männer mit 15,6 Prozent.

Mit einer Armutsquote von 19,5 Prozent ist inzwischen fast jede fünfte Person ab 65 Jahren betroffen, bei Frauen über 75 Jahren sind es sogar 21,3 Prozent.

Mit einem Anteil von 24,8 Prozent gehören junge Erwachsene zwischen 18 und unter 25 Jahren auch zu den Altersgruppen, die überdurchschnittlich oft von Armut betroffen sind. Junge Menschen, die eine Ausbildung oder ein Studium beginnen, sind oft mit hohen Wohnkosten konfrontiert, vor allem, wenn sie in eine neue Stadt ziehen und das Elternhaus verlassen müssen.

Allgemein gilt: Menschen, die arbeitslos sind oder als nicht erwerbstätig gelten, etwa weil sie im Ruhestand sind, Angehörige pflegen, sich um kleine Kinder kümmern oder noch in Ausbildung sind, haben ein besonders hohes Armutsrisiko.

Hinter den steigenden Armutszahlen stehen konkrete Einschränkungen im Alltag: Millionen Menschen können sich unerwartete Ausgaben nicht leisten, sparen beim Heizen oder verzichten auf gesellschaftliche Teilhabe. 4,6 Millionen Menschen leben inzwischen in erheblicher materieller Entbehrung.

Auch regional sind in Deutschland die finanziellen Sorgen der Menschen durchaus unterschiedlich: In Bayern ist etwa jede achte Person von Armut betroffen, in Sachsen-Anhalt bereits mehr als jede fünfte und in Bremen sogar mehr als jede vierte Person. Der Abstand zwischen dem Bundesland mit der niedrigsten und der höchsten Armutsquote wächst weiter – von 14,1 Prozentpunkten im Jahr 2024 auf inzwischen 14,9 Prozentpunkte.

Zusätzlich drohen weitere Kürzungen durch den Staat beim Wohngeld, beim Unterhaltsvorschuss, in der Jugendhilfe, in der Eingliederungshilfe, bei Rente und Kranken bzw. Pflegeversicherung.

KATEGORIE: ,
Benachrichtigungen aktivieren OK Nein, danke