Verstöße gegen Arbeitszeitgesetze, illegale Lohnabzüge und menschenunwürdige Unterkünfte prägen weiterhin den Alltag vieler Saisonarbeiter in der deutschen Landwirtschaft. Trotz steigender Mindestlöhne bleibt die reale Vergütung durch perfide Abzugssysteme oft weit unter dem gesetzlichen Standard.
Der neue Jahresbericht zur Saisonarbeit in der Landwirtschaft zeigt die Härten, insbesondere von Arbeitern in der BRD. Rund eine Viertelmillionen ausländischer Arbeiter schuften in Deutschland als Saisonarbeiter in der Landwirtschaft.
Die Erntesaison in Deutschland erstreckt sich in der Regel von März bis Oktober. Im Jahr 2023 arbeiteten rund 245.000 Menschen – das ist der jüngste statistisch erfasste Wert – aus dem Ausland auf deutschen Feldern. Geerntet werden beispielsweise Spargel, Beeren, Gurken, Kürbisse, Äpfel und Weintrauben und sie erledigen auch andere Tätigkeiten. Die Arbeiter kommen überwiegend aus Osteuropa, die meisten von ihnen aus Rumänien und unter anderem auch aus Polen, Bulgarien und Kroatien.
„Arbeitstage von bis zu 16 Stunden und Wochenarbeitszeiten von über 70 Stunden sind keine Seltenheit“, heißt es in dem Bericht. Gesetzliche Ruhezeiten von 11 Stunden würden systematisch ignoriert. In manchen Betrieben wird an sieben Tagen pro Woche gearbeitet, ohne dass ein Ausgleich für die extreme Mehrbelastung erfolgt.
Gleichzeitig werden diese Arbeiter u.a. durch die Form ihrer Unterbringung beraubt. So gibt es Fälle, in denen für einen 15 Quadratmeter großen Metallcontainer, in welchen die Arbeiter lebten, über 2.000 Euro „Miete“ pro Monat verlangt wurden. „natürlich“ gibt es in solchen Baracken weder anständige Küchen, noch Sanitäreinrichtungen.
Formal wird der Mindestlohn meist zwar gezahlt, jedoch werden von den Arbeitskäufern verschiedene Tricks angewandt, um die Arbeiter zu prellen. Es werden (illegaler Weise) Kautionen, Vertragsstrafen und Kosten für Arbeitsgeräte wie Messer oder Schutzausrüstung vom Lohn abgezogen.
Die Akkordmargen wurden z.B. in der Spargelernte massiv erhöht, von 11 Kilogramm Spargel auf bis zu 14 Kilogramm pro Stunde im Jahr 2025. Wer das nicht leistet, dem drohen Strafen.
Die Landwirtschaft weist eine überdurchschnittlich hohe Quote an Mindestlohnverstößen auf. Trotzdem reduziert der Staat die Zahl der Kontrollen kontinuierlich: Wurden 2021 noch 839 Betriebe geprüft, waren es im Jahr 2024 nur noch 274.
Von Regierungsseite kam unlängst auf dem CDU-Parteitag der erneute Vorstoß Ausnahmen vom Mindestlohn für Saisonkräfte in der Landwirtschaft zuzulassen. Nach einem Vorschlag des Bauernverbands sollen die ausländischen Arbeiter in der Landwirtschaft nur 80 Prozent des Mindestlohns erhalten, was grundsätzlich freilich verfassungswidrig wäre. Aber das stört natürlich nicht.
Auch gibt es Pläne die „kurzfristige Beschäftigung“ von 70 auf 90 Tage auszuweiten. Das würde für viele Beschäftigte bedeuten, noch schärferer Ausbeutung – längere Schichten, höhere Akkorde, mehr Druck, weniger Arbeitsschutz – ausgesetzt zu sein.




