Das Wohlergehen von Kindern aus den am meisten ausgebeuteten und unterdrückten Teilen unserer Klasse, aus den tiefsten und breitesten Massen, in Deutschland ist weiterhin stark negativ beeinträchtigt und im internationalen UNICEF-Vergleich unterdurchschnittlich: Die BRD erreicht dabei Platz 25 von 37 umfassend bewerteten Ländern. Damit liegt Deutschland wie schon im letzten Bericht des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen im unteren Mittelfeld. Das zeigt eine neue bürgerliche Studie, die „Report Card 20: Unequal Chances – Children and economic inequality“ des UNICEF-Forschungsinstituts Innocenti zum kindlichen Wohlbefinden in Ländern der EU und OECD.
Diese Untersuchung zeigt: Viele Kinder in Deutschland wachsen unter Bedingungen auf, die ihre körperliche und mentale Gesundheit und ihre schulischen Kompetenzen massiv beeinträchtigen. Der Geschäftsführer von UNICEF Deutschland bringt es auf den Punkt: „Unser Land … schadet nicht nur den Kindern, sondern zahlt morgen einen hohen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Preis.”
Im Durchschnitt der von UNICEF untersuchten Länder lebt fast jedes fünfte Kind in Einkommensarmut. Die Kinderarmutsquote in der BRD stagniert seit Jahren bei hohen 15 Prozent.
Unter 18-Jährige, die selbst oder deren Eltern beide nach Deutschland eingewandert sind, sind etwa vier Mal so häufig armutsgefährdet wie Gleichaltrige ohne Einwanderungsgeschichte. Bei Kindern und Jugendlichen mit Einwanderungsgeschichte lag die Armutsgefährdungsquote im 2024 bei 31,9 %.
Die Einkommensungleichheit ist von einem Verhältnis von 1 zu 4,3 (2012) auf 1 zu 5,0 gestiegen. Das bedeutet: Menschen im wohlhabendsten Fünftel der Bevölkerung verfügen heute über fünfmal so viel Einkommen wie Menschen im ärmsten Fünftel. Die im Weltmaßstab vor sich gehende Konzentration von Reichtum spiegelt sich auch im Kleinen.
Weiter: Nur 60 Prozent der 15-Jährigen erreichen die Mindestkompetenzen in Lesen und Mathematik. Damit liegt Deutschland auf Platz 34 von 41 Ländern mit vergleichbaren Bildungsdaten. In Deutschland ist zudem der Abstand zwischen Jugendlichen aus „sozioökonomisch benachteiligten“, d.h. armen, und denen aus „privilegierten“, d.h. reichen, Familien besonders groß: Unter den Jugendlichen aus „benachteiligten Familien“ erreichen nur 46 Prozent die grundlegenden Kompetenzen. In „privilegierten Familien“ sind es dagegen 90 Prozent.
Kinder aus „besser gestellten Familien“ haben haben es nicht nur in der Schule leichter, sie sind auch häufiger gesund als Kinder aus „benachteiligten Familien“. Der Großteil, knapp 80%, der Kinder in Deutschland aus dem wohlhabendsten Fünftel der Familien ist in sehr guter gesundheitlicher Verfassung. Bei den ärmsten Kindern sind es nur 58 Prozent – mehr als 40 Prozent der armen Kinder sind also gesundheitlich beeinträchtigt.
Der Alltag von Kindern aus armen Familien ist geprägt durch schlechte Wohnverhältnisse mit wenig Rückzugsräumen, schlecht ausgestattete Schulen und allgemein benachteiligte Nachbarschaften, in denen Kinderärzte oder Spielplätze fehlen, dazu kommt durch finanzielle Nöte Stress in Familien.
Schon der UNICEF-Bericht zur Lage der Kinder in Deutschland 2025 hatte gezeigt, wie stark Kinderarmut in Deutschland die Chancen von Kindern einschränkt: keine gute Entwicklung, keine gute Bildung, schlechtere Gesundheit sowie weniger „gesellschaftliche Teilhabe“.




