Graffitis sind etwas, was wir alle kennen. In jeder Stadt sieht man sie quasi an jeder Ecke. An verschiedenen Orten in Baden Württemberg nimmt die Zahl von illegal angebrachten Tags und Graffitis zu. Gegen diese Aktivitäten gehen die verschiedenen Städte mit unterschiedlichen Mitteln vor.

Zu diesem Thema machte die Tagesschau bei diversen Städten im Bundesland eine Umfrage. In dieser berichten die Städte Ulm und Pforzheim von einem Anstieg von illegalen Graffitis. Auch die Stadt Esslingen berichtet von dem Eindruck, einer tendenziellen Zunahme. Genaue Dokumentationen mit konkreten Zahlen liegen dabei jedoch nicht vor. Dies ist an vielen Orten der Fall, denn die nächtlichen Sprühaktionen werden oft nicht angezeigt und häufig auch erst recht spät von den offiziellen „Besitzern“ der Flächen wahrgenommen.

Bei dem Anstieg von gemachten Graffitis zählen dazu neben diversen Tags und künstlerischen Schriftzüge auch politische Slogans. Die Stadt Ulm berichtet so auch von einem Anstieg explizit politischer Graffitis, seit dem Beginn der Gegenoffensive des palästinensischen Widerstandes, der Al-Aqsa-Flut am 07. Oktober. Auch Esslingen berichtet davon, dass unter den gemachten Sprühereien auch explizit politische Slogans sind. Solche tauchen, laut der Sprecherin insbesondere zu den Zeiten in denen Wahlen sind besonders häufig auf.

Auch wenn die verschiedenen kommunalen Regierungsverantwortlichen der jeweiligen Städte sich von Ort zu Ort unterscheiden, sind sie sich alle darin einig, dass sie dagegen vorgehen wollen. Der Oberbürgermeister von Tübingen, Boris Palmer schreibt seine Wut über Graffitikünstler in Facebookposts rein. Dabei Appelliert er aber auch gezielt an das deutsche Denunziantentum und heizt dieses auch mit einem Kopfgeld von 5.000 Euro an, welches es für Hinweise geben soll, die zum Ergreifen von illegalen Sprayern führen. In Karlsruhe wurde 2018 die sogenannte Sonderkommission „Soko Schmierfink“ gegründet. Das Ziel dieser war, intensiv sowohl gegen Sprühereien als auch gegen verklebte Sticker in der Stadt vorzugehen. Auch wenn das Projekt bei der Einführung nur für zwei Jahre gedacht war, läuft es bis heute weiter. In Offenburg und Pforzheim gibt es ebenfalls spezielle Anti-Graffiti-Projekte. In diesen bezuschussen die Städte die Entfernung von Graffiti finanziell. Das Ziel davon ist, dass gemachte Werke möglichst schnell entfernt werden sollen, um Sprühern keine Genugtuung durch die Sichtbarkeit ihrer Aktionen zu bieten.

Neben Repression und dem schnellen Entfernen aus dem öffentlichen Raum gibt es aber auch ein anderes Mittel, mit welchem die Herrschenden gegen illegale Graffitis vorgehen. Manche Städte geben sich alternativ und Jugendnahe indem sie, parallel zu den genannten Maßnahmen, zahlreiche freie Flächen schaffen, die als legale Graffiti-Walls genutzt werden dürfen. Die Stadt Offenburg ist dafür ein gutes Beispiel. So wurden dort auch zahlreiche solcher Flächen geschaffen. Es findet dort aber auch im Juli das deutsch-französische „Double Trouble Jam" Festival statt, in welchem die Stadt Möglichkeiten für Sprayer bereitstellt, um ihre Werke legal zu sprühen. Einige bekannte Graffitikünstler wie Markus Schwendemann und Stefan Strumbel haben ihre Künstlerkarriere in Offenburg als illegale Sprüher begonnen, bis sie durch solche Projekte aus der Illegalität geholt wurden. Die Folge davon ist, dass die Künstler zwar einfach ihre Bilder malen und damit Geld verdienen können, sie aber andererseits dadurch auch angepasst werden. Das Ziel solcher Maßnahmen ist genau das. Die sogenannte Graffitiszene zu befrieden und in eine zahme Subkultur zu verwandeln, die nach der Nase der Herrschenden tanzt, ihre Regeln befolgt und keine unbequemen Botschaften verbreitet.

Derry24231

Mural aus Derry (Irland) in Solidarität mit dem Widerstand des palästinensischen Volkes

Während Graffiti auf der eine Seite ein relevanter Teil einer widerständigen Jugendkultur ist, sind diese auf der anderen Seite auch ein wichtiges politisches Sprachrohr, um Meinungen und Standpunkte zu verbreiten und an die Öffentlichkeit zu bringen. Während die Bonzen der Bourgeoisie die Medien haben und es sich leisten können, große Geldsummen auszugeben, um Werbetafeln zu nutzen hat das Volk nichts, außer die Wände in seinen Vierteln um seine Meinung zu äußern. In Zahlreichen revolutionären Prozessen überall auf der Welt, seien es nun die revolutionären Kämpfe in Russland, die Kulturrevolution in China oder auch aktuelle antiimperialistische Kämpfe wie in Irland und Palästina, überall wo die Massen in großer Bewegung waren, haben sie sich ihre Wände genommen, um ihre Botschaften zu verbreiten. Es ist irrelevant, ob wir über vermeintlich inhaltslose künstlerische Tags oder politische Slogans sprechen. Die Wände in den Städten gehören nicht der Bourgeoisie, sie gehören dem Volk. Und unabhängig von den Gesetzen der Herrschenden hat das Volk jedes Recht sich diese Wände zu nehmen.

 

Bildquelle Titelbild: Stuttgarter Zeitung

Bildquelle Mural: Indymedia.ie