Andor ist sehr wohl Fortschrittlich! Kritik an der Kritik des Andor-Artikel

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Andor ist sehr wohl Fortschrittlich! Kritik an der Kritik des Andor-Artikel

Ich möchte die Debatte auf „Dem Volke dienen“ bezüglich des „Andor“-Artikels begrüßen. Die Möglichkeit das Genossen verschiedene Standpunkte und ihr Verständnis oder hier Unverständnis des Marxismus voranbringen ist eine Schmiedung im Kampf und vor allem im Begreifen der Ideologie des Proletariats und seiner Anwendung, die uns allen nur zugutekommen kann. Das vorausgesagt möchte ich als erstes voranbringen, das der Vorwurf des „Rechtsopportunismus“ an den DVD-Autor aufgrund eines Artikels über die Serie „Andor“ in der eine inhaltliche Einschätzung einer Serie gemacht wird, aber in keinster Weise Prinzipien des Marxismus grundlegend negiert werden von einem großen Subjektivismus und auch Arroganz des Autors der „Kritik“ zeugen. Man muss hier die Kirche wirklich im Dorf lassen.

Es gibt zwar objektiv durchaus richtig und falsch aus der Sicht der jeweiligen Klasse in der Klassengesellschaft, aber die marxistische Sichtweise, also die des Proletariats kennt nicht nur Schwarz oder Weiß, sondern ist imstande, ja muss dezidiert eine differenzierte Sichtweise auf der Grundlage der marxistischen Philosophie einnehmen. Diese Sichtweise lässt der Autor der „Kritik“ aber nun mal grundlegend missen.

„Andor“ ist eine fortschrittliche Serie und wenn man es „hart“ marxistisch ausdrücken will, ein Ausdruck davon das die Strategische Offensive der Proletarischen Weltrevolution und darin die neue Welle der Revolutionen und nationalen Befreiungskämpfe der Massen auch seinen Wiederhall innerhalb der etablierten, d.h. bürgerlichen Kulturkreise a la Hollywood findet. Das sich fortschrittliche Inhalte in bürgerlichen und kleinbürgerlichen Kulturmillieus finden ist dabei nichts Neues oder Sonderbares, sondern ein „natürlicher“ Prozess in dem die Aktionen des internationalen Proletariats und der unterdrückten Völker – historisch wie zeitgenössisch – einen Einfluss auf die Gedanken und Gefühle von allerlei Menschen in der Klassengesellschaft ausüben. Das bedeute eben auch auf Kulturschaffende unabhängig ihres konkreten Klassenhintergrundes. Man vergleiche bitte den „Maoismus-Trend“ innerhalb jener Kreise in Westeuropa und darüber hinaus während der Großen Proletarischen Kulturrevolution.

Der Grundfehler, auf dem sich der Subjektivismus und damit auch der Mechanismus und Dogmatismus des Kritikers basiert ist, die Serie und anscheinend auch die Welt an sich von „der reinen Lehre“ und einem „roten Ideal“ aus zu betrachten. Ja, es ist eine sehr leichte Kunst etwas als „anti-proletarisch“ zu deklarieren, wenn man zur Grundlage seines Bewertungsanspruches macht, die Serie „Andor“ und allerlei Kulturerzeugnisse müssten auf der Grundlage der Klassiker bewertet und den Anspruch angewendet das alles, was nicht Marxismus-Leninismus-Maoismus, hauptsächlich Maoismus, Gonzalodenken entspricht, abzulehnen ist. Eine solche Betrachtungsweise ist aber nicht den Marxismus als lebendige Wissenschaft des Proletariats anzuwenden, sondern als „rote Identitätspolitik“ vor sich herzutragen. Das Proletariat hat seine eigene Ideologie, Wissenschaft, seine eigene Kultur, Normen und Werte. Das ist gut und das ist richtig so. Aber das Proletariat schaut sich in seiner welthistorischen Mission die Klassengesellschaft abzuschaffen und das durch die Anwendung des Marxismus mittels seiner Organisation zu tun, auch andere Klassenkräfte, andere Theorien und Kulturen an und macht sich ein genaues Bild dieser Kräfteverhältnisse in Relation zu den eigenen Zielen unserer Klasse. Der große Genosse Lenin hat in seinem fundamental wichtigen Werk „Der Linke Radikalismus – Kinderkrankheit des Kommunismus“, dass jeder Genosse nicht nur gelesen, sondern vor allem auch verstanden haben sollte u.a. zu genau dieser Frage Stellung bezogen, worauf ich hier ein paar Zitate machen möchte:

– „Das sicherste Mittel, eine neue politische (und nicht nur eine politische) Idee zu diskreditieren und ihr zu schaden, besteht darin, sie ad absurdum zu führen, während man sie verteidigt. Denn jede Wahrheit kann man, wenn man sie „überschwenglich“ macht (wie der alte Dietzgen zu sagen pflegte), wenn man sie übertreibt, wenn man sie über die Grenzen ihrer wirklichen Anwendbarkeit hinaus ausdehnt, ad absurdum führen, ja sie wird unter diesen Umständen unvermeidlich absurd.“

– „Die Wissenschaft erfordert (…) zweitens, daß man alle Kräfte, Gruppen, Parteien, Klassen, Massen, die innerhalb des betreffenden Landes wirken, in Rechnung stellt und die Politik keineswegs nur auf Grund der Wünsche und Ansichten, des Grades des Klassenbewußtseins und der Kampfbereitschaft nur einer Gruppe oder Partei bestimmt.“

– „Erstens wollte (oder richtiger wohl: konnte) diese Partei, die den Marxismus ablehnte, durchaus nicht begreifen, daß es notwendig ist, vor jeder politischen Aktion die Klassenkräfte und ihre Wechselbeziehungen streng objektiv abzuwägen.“

– „Die Taktik muß auf einer nüchternen, streng objektiven Einschätzung aller Klassenkräfte des betreffenden Staates (und der ihn umgebenden Staaten sowie aller Staaten der ganzen Welt) sowie auf der Berücksichtigung der von den revolutionären Bewegungen gesammelten Erfahrungen aufgebaut werden.“

– “ selbst die kleinste Möglichkeit ausnutzt, um einen Verbündeten unter den Massen zu gewinnen, mag das auch ein zeitweiliger, schwankender, unsicherer, unzuverlässiger, bedingter Verbündeter sein. Wer das nicht begriffen hat, der hat auch nicht einen Deut vom Marxismus und vom wissenschaftlichen, modernen, Sozialismus überhaupt begriffen.“

„Beherrschen wir nicht alle Kampfmittel, so können wir eine schwere – manchmal sogar eine entscheidende – Niederlage erleiden, wenn von unserem Willen unabhängige Veränderungen in der Lage der anderen Klassen eine Form des Handelns auf die Tagesordnung setzen, in der wir besonders schwach sind.“

Dieses Verständnis des großen Genossen Lenin vorausgestellt, sollte man gegenüber solchen Werken wie „Andor“ eine Perspektive einnehmen in der das Hauptsächliche nicht ist „Das ist kein reiner Marxismus, weil da kämpft nicht die intergalaktische, militarisierte, Kommunistische Partei mit ihrer revolutionären Armee in einer Einheitsfront gegen das Galaktische Imperium mit marxistischen Direktverweisen“, sondern die Haltung einnehmen das es in der Tat sehr wohl fortschrittlich ist, wenn der Drehbuchautor und Regisseur Tony Gilroy auf der Basis von offenkundigen Sympathien für proletarische Revolutionen und nationale Befreiungsbewegungen einen „abstrakten“ Kampf Gut gegen Böse darstellt, der Star Wars nun mal ist, dabei aber eine Anwendung der materiellen Realität macht. Denn wenn man dem Autor des DVD-Artikels wirklich eine Kritik machen will, dann das er den Aspekt der gedanklichen Grundlagen von Gilroy nicht ausreichend genug beleuchtet.

Schon die erste Aktion der Rebellen an denen Cassian Andor teilnimmt ist einem legendären Bankraub von Genosse Stalin in Tiflis nachempfunden (Quelle: https://www.slashfilm.com/1097109/the-real-life-robbery-that-inspired-andors-big-heist-storyline/). Die Gesamte Storyline ist laut Gilroy sowohl den realen Ereignissen als auch von der Verfilmung „Schlacht von Algiers“ inspiriert. Der Genosse Kritik“ kritisiert das in der Serie „kein Begriff von Klassenkampftheorie“ vorkommt, dass dort keine „klassenanalytische Notwendigkeit“ geboten wird. Nun ja, „Andor“ ist eine Hollywood-Serie und nicht „Was tun?“ von Genosse Lenin. Aber dafür schafft Andor trotz seiner Produktionsherkunft doch sehr klar die Umstände eines Aufwachsens unter den tiefsten und breitesten Massen und die Rebellion eben dieser Menschen lebensecht darzustellen. Die Serie ist sogar so reflektiert die zick-zack Bewegung innerhalb der Politisierung eines Cassian Andors darzustellen der gerade, weil er aus den tiefsten und breitesten Massen kommt, nicht direkt aus den hohen Idealismen eines Studenten zur Rebellion kommt, sondern seine Umwege aus persönlicher Profitmacherei und Lumpentum aufgrund seiner Lebensumstände ihn zur Rebellion bringen. Nicht ohne Grund kommt selbst das bürgerlich-feudale Blatt „The Hindu“ zu dem Schluss das die Arbeiteraufstände auf der Kolonialwelt Ferrix sich in denen der Petrograder Fabriken wiederspiegeln. (Quelle: https://www.thehindu.com/entertainment/movies/the-axe-forgets-but-the-tree-remembers-how-andor-reflects-history-from-revolutionary-russia-to-modern-day-gaza/article69552582.ece#google_vignette)

Das gleiche Magazin und auch einige andere bürgerliche Medien sehen in den Figuren von Cassian Andor und vor allem in Luthen die historischen Figuren von Genossen Lenin und Stalin welche nicht auf der Grundlage utopistischen Wunschdenkens, sondern der harten Realitäten mit all ihrer Vertracktheit und „Unheiligkeit“ Revolution machen mussten. Hier schreibt „The Hindu“: „Unterdessen verkörpert der erfahrene Marxist-Leninist Luthen Rael – derjenige, der jene Rede hält, in der es darum geht, sein Leben zu verbrennen, damit jemand anderes die Wärme einer fernen Morgendämmerung spüren kann – die Überzeugung, dass man zuerst die Macht ergreifen muss, oft mit den Werkzeugen des Herrschers, um etwas Neues aufzubauen. In der Dynamik zwischen Luthen und Cassian lassen sich Anklänge an einen weisen Lenin erkennen, der den beeinflussbaren Stalin während der bolschewistischen Revolution radikalisierte, und als Cassian schließlich einen Ausbruch aus der sterilen Panoptikum-Hölle des Arbeitslagers Narkina 5 anführt, beginnt er endlich, die Konturen der Revolution zu verstehen(Eigene Übersetzung).“

Das gleiche gilt auch für die Relation von Imperialismus und Kolonialismus durch das Galaktische Imperium und den Randwelten. Es gibt viele weitere Beispiele, aber eine Streitdebatte über Andor sollte auch nicht zu viel Platz auf „Dem Volke Dienen“ einnehmen. Es ist aber tatsächlich mehr oder minder einer von vielen Möglichkeiten und Wesensarten von Kunst Sachen nicht in immer die Fresse, sondern auch subtil und beobachtend aufzeigen zu können. Arbeiteraufstände sind auch dann Arbeiteraufstände, wenn niemand im Film ein Schild hochhält, auf dem steht: „Achtung: Hier wird gerade die Relation von Mehrarbeit, Mehrprodukt und Mehrwert sichtbar.“

Eine andere sekundäre Kritik, die man am DVD-Autor machen kann, ist das er diesen Abschnitt „Gilroy, der Regisseur der Serie, äußerte sich in Interviews dahingehend, dass reale Revolutionäre des 20. Jahrhunderts, wie unter anderem Lenin, als Inspiration für Luthen dienten. Dass Gilroy von Lenin nicht besonders viel verstanden hat, ist das eine, sympathisch finden kann man das trotzdem.“ nicht besonders gut erklärt und nicht vor der subjektivistischen Falle warnt das ein Gilroy Lenin nicht verstanden haben muss. Das muss er eben nicht! Wenn jemand wie Gilroy u.a. von Genosse Lenin inspiriert ist und einen Kampf der Unterdrückten gegen Unterdrücker darauf basierend auf die Leinwand bringt, dann hat er für unsere Sache seinen Zweck erfüllt, dann ist er in der Frage ein Verbündeter und dann wird dieses Serienprodukt uns sehr gut nutzen können.

Es seien am Ende noch einige Worte zu einigen Zeilen über die Frage von „Moral“ seitens des Kritikers gesagt: „Die wiederholt sozialdemokratische Empörung und moralische Entrüstung – nicht mehr. Und noch jeder US-imperialistische Angriffskrieg wurde letztlich mit moralischer Überlegenheit gerechtfertigt. Sei es Afghanistan oder Irak: Moral ist das höchste Gut, mit dem ein Krieg gerechtfertigt wird. Aber gerade in der Abstandnahme von den realen ökonomischen Verhältnissen liegt die Wirkmacht der Moral. Insofern ist Andor genau so schlecht (oder „gerecht“) wie Colin Powell, der im Namen von Freiheit vor über 20 Jahren Massenvernichtungswaffen im Irak ausmachte und für die Freiheit einen „Befreiungskrieg“ führen wollte.“

Erstens ist es so, dass der Subjektivismus des Kritikers hier wirklich den Maßstab jeder Verhältnismäßigkeit in einer widerwärtigen und zynischen Art und Weise sprengt die ernsthaften, mit den Massen verbundenen Revolutionären nicht steht. Denn es verbietet sich irgendwelche Serienproduktionen mit den Angriffskriegen und Völkermorden gegen unsere Brüder und Schwestern in Westasien zu vergleichen. Das ist wirklicher unter aller Sau und verharmlost und relativiert diese Verbrechen zu abstrakten(!) Vergleichen! Zweitens, versteht eben jener Genosse Kritiker nicht das Moral sehr wohl eine Kategorie ist, auf die wir uns beziehen, da wir in der Tat eben nicht kalte Roboter sind. Denn genauso wie es eine bürgerliche und kleinbürgerliche Moral gibt, gibt es auch eine proletarische Moral. Und diese proletarische Moral, genauso wie die Reifung einer Erkenntnis vom Einfachen und Groben bis hin zum komplexen und höheren Verständnis von Dingen erlaubt uns beispielsweise zu sagen das jede Aktion gegen den Völkermord in Gaza welche „nur“ aus Moral und Humanität stattfindet, sehr gerechtfertigt und nicht verurteilenswert ist. Denn a.) Was die Imperialisten und ihre Lakaien machen ist unmoralisch, ist widerwärtig und schrecklich und b.) wir alle haben bei Moral angefangen und es ist vollkommen normal die Ungerechtigkeit und Unterdrückung gegen unterdrückte Menschen abzulehnen und etwas dagegen machen zu wollen, ohne das Verhältnis von Kapital und Arbeit im Detail zu kennen. So geht es nämlich den absolut meisten Menschen auf der Welt. Denn Vorsitzender Mao sagt „Die Rebellion ist Gerechtfertigt“ und nicht „Nur die marxistisch reine Rebellion ist Gerechtfertigt!“, ansonsten dürfte man auch alle islamischen nationalen Befreiungsbewegungen in Westasien verurteilen und müsste sich davon distanzieren, weil diese die Massen mit dem Koran in den Händen zum bewaffneten Widerstand gegen die Imperialisten aufrufen anstatt mit den Worten des Vorsitzenden Mao.

Abschließend sei allen Genossen, welche die Kritik des Genossen teilen oder ähnlich denken gesagt das die Welt und ihre Menschen, unsere Klasse und die Einheitsfront für die Proletarische Weltrevolution nicht durch „erleuchtete Bücherhelden“ stattfindet, sondern Revolution ein unreines, schmutziges und bestimmt nicht „pures“ Geschäft ist. Sollte man so denken, ob bewusst oder unbewusst läuft man Gefahr einen moralinsauren Dogmatismus zu betreiben der jede Frontarbeit im Volk und Verbindung mit Nicht-Marxisten verunmöglicht und nicht in der realen Welt stattfindet.“

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