Eine Krise am Immobilienmarkt besteht nach Meinung der allermeisten sogenannten „Branchenexperten“, laut den Veröffentlichungen der letzten Monate, eigentlich nicht. Im Gegensatz zu fast allen anderen Sektoren der bundesdeutschen Wirtschaft ließ die Wohnungsnot im Land Immobilienkauf lukrativ erscheinen.
Deutschlands Banken und einige bürgerliche Ökonomen sehen die Lage hingegen offenbar deutlich anders: Die Immobilienkrise ist da, bei vielen Banken schrillen die Alarmglocken – so jüngste Berichte in verschiedenen Blättern der Bourgeoisie.
Bei rund der Hälfte der Bankinstitute liege demnach der Anteil der bald fälligen Refinanzierungen bei mehr als 40 Prozent. Das heißt: Auf zahlreiche Immobilienfirmen, Bauträger und auch Privatleute rollt eine große Kostenwelle zu, denn diese zahlreichen Darlehen, die in den kommenden Jahren auslaufen, müssen zu deutlich höheren Zinsen als noch vor wenigen Jahren neu verhandelt werden.
Der Anteil notleidender Immobilienkredite habe sich dabei in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Ein notleidender Kredit (umgangssprachlich auch fauler Kredit) ist ein Kredit, bei dem der Schuldner mit dem Zurückzahlen der Schulden in Rückstand gerät, so dass der Kredit vom Gläubiger einzelwertberichtigt werden muss. Einzelwertberichtigung ist eine Wertberichtigung, wobei der gebuchte Wert einer bestimmten Forderung an ihren niedrigeren tatsächlichen Wert angepasst wird. Die sogenannte NPL-Quote (aus dem Englischen: non-performing loan, abgekürzt NPL) lag 2022 noch bei 1,5 Prozent. Zuletzt waren es knapp fünf Prozent. Das Volumen der NPLs kletterte auf fast 50 Milliarden Euro. Entsprechend sinkt das bei Banken verbuchte Vermögen.
Dass immer mehr Kreditnehmer Schwierigkeiten haben, ihre Darlehen wie vereinbart zu bedienen, ist dabei nach Einschätzung bürgerlicher Ökonomen nicht mehr nur eine vorübergehende Folge der Zinswende, sondern deute auf eine umfassendere Bereinigung am Markt hin – ein Euphemismus für den Bankrott vieler Immobilienbesitzer, mit dem naheliegenden Risiko, dass Banken auf wertlosen Kreditforderungen sitzen bleiben und „die Blase platzt“.
Vor allem im Bereich der Gewerbeimmobilien sehen bürgerliche „Experten“ erhebliche Risiken. Viele insbesondere Gewerbeobjekte würden heute deutlich niedriger bewertet als zum Zeitpunkt ihrer Finanzierung. Banken verlangen bei der Anschlussfinanzierung in einem solchen Fall häufig zusätzliche Sicherheiten oder höhere Eigenmittel, um den gesunkenen Immobilienwert auszugleichen, was zu entsprechenden Problemen bei der Anschlussfinanzierung und wiederum Kreditausfällen führt bzw. führen kann.
Auch die die bundesdeutsche Finanzaufsicht „BaFin“ blickt kritisch auf den Markt. Behördenchef Mark Branson erklärte zuletzt, der Immobiliensektor bleibe weiterhin ein Problemfeld.
Die Bundesfinanzaufsicht sieht nämlich erhöhte Gefahren durch riskante Immobilienkredite für Verbraucher. Privatleute, die sich für die eigenen vier Wände verschuldeten, liefen Gefahr, sich finanziell zu überheben.
Neue Daten zu Immobilienkrediten in Deutschland hätten die BaFin überrascht, meint Branson. Im vierten Quartal 2025 habe bei rund jedem siebten Neukredit das Darlehensvolumen den Wert der finanzierten Immobilie überstiegen – im europäischen Vergleich sei das ein Spitzenwert. „Es wurde also bei rund jedem siebten Kredit mehr Geld aufgenommen, als die Wohnung oder das Haus wert war. Das sehen wir kritisch.“
Solche Kredite bergen ein erhöhtes Verlustpotenzial für Banken und seien für Verbraucher problematisch, etwa wenn sie wegen Krankheit oder Jobverlust ihre Raten nicht mehr bedienen könnten. Auch sei es für Privatleute fatal, wenn selbst ein Verkauf der Immobilie nicht reiche, um eine Finanzierung abzulösen.




