150 Menschen nahmen gestern an einer kurzfristig mobilisierten Demo in Duisburg in Solidarität mit dem palästinensischen Widerstand teil. An der kurzen, kraftvollen Aktion, die mitten durch Hochfeld führte, nahmen neben vielen migrantischen Jugendlichen und Angehörigen von im Gazastreifen von Israel Ermordeten auch Aktivisten des Roten Bundes teil.

Eigentlich sollte gestern in Duisburg eine Veranstaltung von Samidoun stattfinden, auf der Zaid Abdulnasser zur Lage der Repression gegen die Unterstützer des palästinensischen Befreiungskampfes in der BRD reden sollte. Eine ähnliche Veranstaltung hatte bereits Ende letzten Monats organisiert vom Bündnis gegen imperialistische Aggression in Hamburg in der B5 stattgefunden.

Aus Anlass der aktuellen Gegenoffensive des palästinensischen Volkes gegen den an ihm verübten Völkermord wurde diese Veranstaltung jedoch kurzfristig abgesagt und von der kürzlich gegründeten Organisation „Palästina Solidarität Duisburg“ eine Demo angemeldet – eine Sache, die in der bürgerlichen Presse für großen Wirbel sorgte.

Veranstaltung fällt

Nachdem am Samstag auf der Sonnenallee in Berlin Süßigkeiten verteilt wurden und eine Demonstration am Sonntag von den Bullen massiv drangsaliert wurde, schäumte die deutsche Presse und Politik bereits am Wochenende vor imperialistischem Chauvinismus über: Von Scholz bis hin zum kleinsten Regionalpolitiker bekundeten alle ihre „bedingungslose Solidarität“, das Einfrieren humanitärer Hilfen wurde sofort auf die Agenda gesetzt und die deutsche Staatsräson herausgekramt, dass das „Existenzrecht Israels“ unantastbar sei. Jeder Hinweis auf den Völkermord, der an den Palästinensern verübt wird, ist seit diesem Wochenende „Rechtfertigung von Terrorismus“; jeder Ausdruck der Solidarität mit dem gerechtfertigten Widerstand als „Aufruf zur Gewalt“; jede Kritik an Israel ein Angriff gegen sein Naturgesetz-gleiches „Existenzrecht“. Recht auf freie Meinungsäußerung, Versammlungsfreiheit, Vereinigungsfreiheit ade und „Knüppel frei“.

Unter diesen Vorzeichen fand die Demo gestern in Duisburg statt. Allein über die Anmeldung der Demonstration gab es bereits einen „Live-Ticker“ der größten Regionalzeitung („WAZ“, gehört zur Funke Mediengruppe, eines der zehn größen Medienunternehmen Deutschlands), inklusive der entsprechenden Hetze und Panikmache, die aktuell vor allem gegen Samidoun gerichtet zu sein scheint. Das Ganze würde eine Hamas-Propaganda Aktion werden, da waren sich alle Reaktionäre im Vorfeld einig, allen voran natürlich die Antideutschen, die sich den Medienwirbel auch nicht entgehen lassen wollten und mit 20-30 Leuten eine ärmliche „Gegenkundgebung“ organisierten, aber sich nicht durch das Arbeiter- und Migrantenviertel Hochfeld trauten und deswegen in einem Shuttlebus mit Polizeieskorte gebracht wurden.

Letztendlich war keine einzige Hamas-Fahne da, dafür aber auf der Auftaktkundgebung mehr Presse als Teilnehmer. Tagesschau, ZDF und Privatsender wohin das Auge schaute. Tatsächlich konnte man sich vor lauter Kamerateams kaum bewegen und bei jedem angestimmten Slogan, vor allem natürlich auf Arabisch, und bei jeder ausgerollten Fahne ging sofort ein Raunen und wilde Hektik durch die Presse, nur um zu schauen, ob sich nicht dabei um etwas „Verbotenes“ handelt. Die Bullen waren natürlich auch mit mehreren hundert Einsatzkräften, Wannen, Hundestaffeln, Übersetzerteams und Dutzenden von Zivis unterwegs. Weil scheinbar nicht das passierte, was sich Presse und Bullen vorstellten versuchte die anwesende Welt-Journalistin Greta Wagener doch noch ein paar Bilder von Konfrontationen zu schaffen, in dem sie sich zum Drehen mitten in die Versammlung stellte und sich den Weg von dem „Security Team“ welches sie dabei hatte, freischubsen ließ - was in dem lächerlichen Artikel „WELT Team in Duisburg bedrängt. Mein Kameramann wurde angegangen“ gipfelte, in dem die Reporterin offensichtlich sehr verzweifelt versucht aus einer Mücke einen Elefanten zu machen.

Die Auftaktkundgebung ließ sich davon nicht provozieren und marschierte nach kurzen Redebeiträgen kraftvoll los. Slogans wie „From the River to the Sea – Palastine will be free“, „Hoch die internationale Solidarität / Solidarität heißt Widerstand“, „Duisburg bis nach Gaza, Sieg der Intifada“ schallten durch die Straßen und mit dem Verlauf der Demo wuchs die Teilnehmerzahl auf ca. 150, da sich mehr und mehr Menschen, teilweise auch spontan, in die Demo einreihten.

WAZ2

Quelle für dieses Bild, das Titelbild und einige im Video verwendete Bilder: WAZ, https://www.waz.de/staedte/duisburg/palaestina-aktivisten-wollen-jetzt-in-duisburg-demonstrieren-id239759585.html

Auf dem Abschlusskundgebungsplatz entschied sich die Polizei dann, die bis dahin vollkommen friedliche Demonstration anzugehen, eine Personalienkontrolle durchzuführen und bei Verweigerung davon eine Festnahme von einem Aktivisten durchzuführen. Die Demonstrationsteilnehmer regierten darauf kraftvoll, versuchten dem Genossen zu helfen und schlugen die Bullen zurück, die inzwischen wegen des angeblichen Versuchs der Gefangenenbefreiung ermitteln.

Die Demonstration endete mit einer kraftvollen Rede von Zaid, in der er den palästinensischen Widerstand hochleben ließ, und dem Aufruf der Veranstalter, weitere Aktionen durchzuführen und sich zu beteiligen. Die Provokationen der Bullen und Presse wurden auf der Demo ins Leere laufen gelassen, die Politik in den Vordergrund gestellt und unmissverständlich klargemacht, dass der Kampf des palästinensischen Volkes in jedem Fall gerechtfertigt ist.