Lateinamerika

Während die FARC-EP (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia – Ejército del Pueblo / Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens – Volksarmee) in Kolumbien hauptsächlich damit beschäftigt ist, ihre Kapitulation mit der Reaktion auszuhandeln, und dazu auch ein Dokument veröffentlicht hat, das ihren Verrat am unterdrückten kolumbianischen Volk und seinem Freiheitskampf seit 2012 auflistet und das selbst während der Staat durchgehend seine Fratze zeigt, das Volk weiter unterdrückt und die FARC-EP selbst militärisch angreift, führt die ELN (Ejército de Liberación Nacional / Nationale Befreiungsarmee) weiter Aktionen gegen die Reaktion durch.

Igor Mendes wurde am 3. Dezember letzten Jahres in Rio de Janeiro von der brasilianischen Polizei verhaftet und in den Knast geworfen. Jetzt wurde er nach über 200 Tagen Haft freigelassen. Igor Mendes ist Geografiestudent an der Pädagogischen Universität von Rio de Janeiro und politischer Aktivist der Revolutionären Studentenbewegung des Volkes (auf Portugiesisch abgekürzt MEPR) und der Unabhängigen Volksfront – Rio de Janeiro (auf P. abgek. FIP – RJ). Wie viele andere Jugendliche in Brasilien nahm auch er an den großen Demonstrationen gegen die FIFA und die Olympiade Mitte 2013, gegen Polizeigewalt und gegen die militärische Besetzung der Armenviertel (Favelas) durch die sogenannte Befriedungspolizei (auf P. abgek. UPP) und die Armee teil, die oftmals in große Kämpfe mit der Polizei des reaktionären brasilianischen Staates umschlugen. Vorwand für seine Verhaftung war die angebliche Missachtung einer Auflage der brasilianischen Behörden, nicht an Versammlungen teilzunehmen, da seine Anwesenheit eine Gefahr für die öffentliche Ordnung darstelle.

Nachdem bei den Parlamentswahlen am 2. bzw. 3. Juni vielerorts der Wahlboykott so massiv war, dass keine Wahlen stattfanden, und sich die bisherigen Werte der Wahlbeteiligung um die 45% bewegen, zeigen sich nach Angriffen auf Wahllokale und andere Einrichtungen auch nach den Wahlen mehrere Gruppen durch klare Aussagen gegen den Staat.
So wurde am 6. Juni das Sekretariat für landwirtschaftliche, territoriale und urbane Entwicklung in Mexiko-Stadt von mehreren Explosionen erschüttert, in dem Schreiben, das dazu erschien, lautete die Parole zur Wahl: „Wählt nicht. Tötet sie alle.“ Am 12. Juni wurde auf eine Filiale der Banamex (Nationalbank von Mexiko) ein Brandanschlag verübt.

Am 10. Juni gab es eine Massendemonstration  mit über 200.000 Teilnehmern, am Tag vor dem Eröffnungsspiel der Copa América, die dieses Jahr in Chile ausgetragen wird. Die Proteste in Chile nehmen kein Ende, auch die Militanz der Teilnehmer ist ungebrochen.

Im brasilianischen Bundesstaat Rondonia gab es am 27. Mai einen großangelegten Angriff  auf die Bauernbewegung. Im Bündnis mit der Militärpolizei, Spezialeinheiten, der Zivilpolizei und der Feuerwehr setzten die Grundbesitzer die Zwangsräumung eines Camps armer Bauern durch, das, unterstützt von der Liga der armen Bauern (LCP), für das Recht auf Land für arme Bauern kämpfte. Durch den Angriff wurden mehr als 30 Familien obdachlos und zwei Bauern wurden verhaftet. Die reaktionären Kräfte setzten auch Helikopter bei ihrem Angriff ein. Der Angriff ist ein Teil einer neuen Offensive der reaktionären Grundeigentümer in Brasilien gegen den gerechtfertigten Kampf der armen Bauern um Land, dieser erneute Angriff steht damit auch in Verbindung mit der kürzlichen Ermordung von Paulo Justino Pereira, dem Vorsitzenden der Verbindung Wladimir Lenin. In ihrer Erklärung denunziert die LCP die Gewalt durch die Grundeigentümer und die reaktionären Polizeikräfte und demaskiert deren Verflechtung.

Der Boykott der Wahlen, der sich bei der Massendemonstration zum 8-monatigem Gedenken des Verschwindens der 43 Studenten schon angedeutet hat, nimmt sehr konkrete Formen an. In mehreren Städten wurden Wahllokale gestürmt und wie auch in Pinotepa die Wahlunterlagen verbrannt. In Oaxaca blockierten Lehrer, die sich seit Monaten im Streik befinden, den Flughafen mit gekaperten Fahrzeugen. Im Vorfeld der Wahlen wurden in mehreren Staaten auch Kandidaten verschiedener Parteien getötet.

Am 26. Mai fand in Mexiko-Stadt eine Massendemonstration mit tausenden Teilnehmern statt, um den 43 vermissten Studenten, die am 26. September 2014 von der Polizei angegriffen und entführt wurden, zu gedenken.
Während der Demonstration wurde dazu aufgerufen, die Wahlen, die am 7. Juni stattfinden sollen, nicht nur im Staat Guerrero, sondern im ganzen Land zu verhindern. Im Sinne dessen wurde am Ende der Demonstration ein Berg von Wahlpropaganda, das von den verschiedenen Kontingenten eingesammelt wurde, in Brand gesetzt. Als die Bullen versuchten, das Feuer zu löschen, kam es zu Auseinandersetzungen, bei denen die Feuerlöscher gegen Demonstranten eingesetzt wurden, sie selber wurden unter anderem mit Molotowcocktails angegriffen.

 

In Marcona gab am 25. Mai Proteste von Arbeitern des chinesischen Konzerns Shougang, der massenweise Menschen auf die Straße setzte. Bei diesen Protesten wurden unter anderem die Büros des Konzerns in Brand gesetzt. Die Bullen setzten gegen die protestierenden alles ein, was sie hatten, neben massivem Einsatz von Tränengas schossen sie auch mit scharfer Munition, wobei sie mehrere Arbeiter verletzten und einen erschossen.

Die Proteste gegen das Projekt Tía María, halten Peru zeitgleich weiter in Aufruhr, am 29. Mai gab es in Lima eine Demonstration mit über 2000 Teilnehmern, bei der es auch zu heftigen Auseinandersetzungen mit den Bullen kam.